Ölkonzern Shell will europäische Tankstellen mit Ladestationen aufrüsten

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell will in diesem Jahr mit dem Aufbau von Ladestationen für Elektroautos starten. Zunächst will das Unternehmen an Tankstellen in Grossbritannien und den Niederlanden Stromzapfsäulen installieren, wie der für Raffinerie und Vertrieb zuständige Manager John Abbott der "Financial Times" (Montagausgabe) sagte. Es könnten noch weitere Länder folgen. Abbott rechnet mit der grössten Nachfrage nach E-Ladestationen in städtischen Gegenden. Die Ausstattung von Tankstellen in Grossbritannien werde "ziemlich bald" beginnen. Wie viele Stationen Shell aufrüsten will, wollte er noch nicht sagen.
30.01.2017 09:04

Die Elektromobilität gilt als grosse Gefahr für die Ölkonzerne, weil der Autoverkehr einer der grössten Verbraucher fossiler Brennstoffe ist. Abbott geht jedoch davon aus, dass der Übergang von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Der Vertriebschef wittert ohnehin zusätzliches Geschäft: Wenn die Kunden beim Laden ihrer Autos warteten, würden sie einen Kaffee oder etwas zu Essen wollen. Bisher dauern Ladevorgänge bei entsprechender Reichweite der Autos noch deutlich länger als das herkömmliche Tanken.

Das Fehlen von Ladestationen gilt neben geringerer Reichweite und höheren Preisen als ein Hemmschuh für den Durchbruch von E-Autos. In Deutschland ist das Interesse nach der Antriebstechnik noch verhalten. Die Kaufprämie für Fahrzeuge mit E-Antrieb beantragten im vergangenen Jahr nur wenige Autokäufer. Experte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach rechnet auch weltweit erst ab 2020 mit einem deutlich anziehenden Markt für die Stromer.

Neben Shell wollen auch europäische Konkurrenten demnächst mehr Stromladestationen anbieten, unter anderem der französische Ölkonzern Total . In Deutschland planen derzeit die Autobauer Daimler , VW , BMW und Ford gemeinsam den Aufbau von Tausenden Ladesäulen entlang der Autobahnen in den kommenden Jahren./men/stw/fbr

(AWP)