Online-Handel bringt Deutscher Post Rekordquartal - Aktie legt zu

(Ausführliche Fassung)
08.11.2016 09:20

BONN (awp international) - Der boomende Online-Handel und das höhere Briefporto haben der Deutschen Post ihr bisher bestes Sommerquartal beschert. Ein Jahr nach dem teuren Software-Desaster im DHL-Frachtgeschäft sieht Vorstandschef Frank Appel den Dax-Konzern damit auf Kurs, den operativen Gewinn in diesem Jahr wie geplant auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro zu steigern - mindestens eine Milliarde mehr als im Problemjahr 2015. Einen letzten Schub soll jetzt eine Paketflut im Weihnachtsgeschäft bringen.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Wohlwollen aufgenommen. Zum Handelsstart gewann die Post-Aktie am Morgen 1,5 Prozent an Wert.

STÄRKSTES SOMMERQUARTAL

Im dritten Quartal erzielte die Post vor Zinsen und Steuern einen Gewinn (Ebit) von 755 Millionen Euro. Das war fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor und so viel wie noch nie in einem Sommerquartal in der heutigen Unternehmensstruktur ohne die vor Jahren verkaufte Postbank. Unter dem Strich sprang der Überschuss sogar von 49 Millionen auf 618 Millionen Euro nach oben und übertraf damit deutlich die Erwartungen von Analysten.

Im Sommer 2015 hatte die Post wegen einer gescheiterten Software-Systemumstellung im DHL-Frachtgeschäft mehr als 300 Millionen Euro abschreiben müssen. Zudem hatten die Nachwirkungen eines wochenlangen Streiks auf dem Heimatmarkt aufs Ergebnis gedrückt.

FAST ALLE SPARTEN VERDIENEN MEHR

Der Quartalsumsatz ging diesmal zwar von Bilanzierungs- und Währungseffekten sowie gesunkener Treibstoffzuschläge belastet überraschend stark um fast vier Prozent auf 13,9 Milliarden Euro zurück. Dennoch warfen fast alle Sparten mehr Gewinn ab als ein Jahr zuvor.

Die Kernsparte PeP, in der neben dem heimischen Briefgeschäft auch das Paketgeschäft in Deutschland und anderen europäischen Ländern, Online-Dienste wie MeinPaket.de und der E-Postbrief gebündelt sind, profitierte weiter vom boomenden Versandhandel über das Internet. Das zum Jahreswechsel erhöhte Briefporto glich den seit Jahren anhaltenden Erlösrückgang aufgrund sinkender Briefmengen teilweise aus. Insgesamt konnte die PeP-Sparte ihren operativen Gewinn (Ebit) auf 295 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

ERHOLUNG IM FRACHTGESCHÄFT

Im DHL-Frachtgeschäft gelang der Post der Weg zurück in die schwarzen Zahlen. Nach einem durch das Software-Desaster verursachten operativen Verlust von 337 Millionen Euro im Sommer 2015 stand nun ein Gewinn von 63 Millionen Euro im Quartalsbericht. Auch die DHL-Lieferkettenlogistik warf nach dem Wegfall von Umbaukosten aus dem Vorjahreszeitraum mehr ab. Das Ebit stieg um 36 Prozent auf 137 Millionen Euro.

Einen Gewinnrückgang musste die Post lediglich bei ihrem langjährigen Erfolgsgaranten DHL Express hinnehmen. Trotz des anhaltenden Booms bei den internationalen zeitkritischen Sendungen, an denen DHL besonders gut verdient, sank das Ebit um fast acht Prozent auf 336 Millionen Euro. Dies lag allerdings an einem Sondereffekt aus dem Vorjahr, als der Konzern frühere Abschreibungen rückgängig gemacht und dadurch den Gewinn des Bereichs nach oben getrieben hatte.

KEINE GROSSEN ÜBERNAHMEN IM AUGE

Mit grösseren Übernahmen will sich die Deutsche Post auch in nächster Zeit zurückhalten. Im Auge habe der Vorstand lediglich kleinere Zukäufe wie den des Paketdienstleisters UK Mail, sagte Vorstandschef Appel am Morgen dem Sender "Bloomberg TV". Die Deutsche Post hatte Ende September ein Übernahmeangebot für das britische Unternehmen abgegeben und will damit dem dortigen Branchenprimus Royal Mail stärker Konkurrenz machen.

Die Deutschen weiten ihr Paketgeschäft seit Jahren auf weitere europäische Länder aus, zuletzt auf Ungarn und Slowenien. Inzwischen ist der Konzern damit auf dem Kontinent in 18 Ländern vertreten./stw/fbr/stk

(AWP)