Osram verkauft Lampensparte an Konsortium um chinesische MLS

(Ausführliche Fassung)
26.07.2016 18:19

MÜNCHEN (awp international) - Der Lichtkonzern Osram hat nach über einem Jahr einen Käufer für seine angestammte Lampensparte gefunden. Das unter Ledvance firmierende Geschäft geht an ein Konsortium um den chinesischen LED-Spezialisten MLS, wie der im MDax notierte Konzern am Dienstag mitteilte. Ebenfalls beteiligt sind die Finanzinvestoren IDG und Yiwu. Osram streicht dafür einen Kaufpreis von über 400 Millionen Euro ein. Darüber hinaus wird der Beleuchtungsspezialist in den kommenden Jahren Lizenzzahlungen für die Nutzung von Namensrechten erhalten. Der Verkauf werde aber voraussichtlich vor Steuern zu einem Verlust im hohen zweistelligen bis niedrig dreistelligen Millionen-Euro-Bereich führen.

Der Abschluss der Transaktion wird unter Vorbehalt der Zustimmung von Aufsehern im Laufe des Geschäftsjahres 2017 erwartet. In den vergangenen Wochen hatte sich in Medienberichten abgezeichnet, dass MLS der aussichtsreichste Kandidat ist. Der Kurs der Osram-Aktie reagierte nachbörslich kaum auf die Neuigkeiten.

Osram-Chef Olaf Berlien nannte den Verkauf einen "Meilenstein" auf dem Weg der Aufstellung des Konzerns als High-Tech-Unternehmen. Der Manager hatte im April 2015 angekündigt, das Geschäft mit klassischen Lampen - darunter Energiespar- und Halogenlampen, aber auch LED-Lampen - in eine eigenständige Tochter auszugliedern. Neben einem Verkauf galten auch Gemeinschaftsunternehmen sowie eine Abspaltung des Geschäfts über die Börse als Optionen. Die Sparte hatte im letzten vollständigen Geschäftsjahr einen Umsatz von 2 Milliarden Euro erzielt, dabei aber operativ (Ebita) einen Verlust eingefahren.

"Die Transaktion ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiter von Ledvance", sagte Aufsichtsratsmitglied und IG-Metall-Sprecher Michael Knuth. Den Angaben zufolge sollen alle bestehenden Betriebsvereinbarungen und Sozialpläne bis Ende 2018 bestehen bleiben.

Ohne das traditionelle Lampengeschäft hat Osram nun kein nennenswertes Geschäft mit Endverbrauchern mehr. Berlien hat die ehemalige Siemens-Tochter neu ausgerichtet - nicht immer zur Freude des immer noch grössten Aktionärs Siemens , der gut 17 Prozent der Anteile hält. Neben dem Verkauf des strukturell schwächelnden Lampengeschäfts hat Berlien eine kostspielige Investitionsstrategie eingeläutet: In Malaysia wird derzeit für eine Milliarde Euro eine neue LED-Chipfabrik gebaut, von der aus der wachsende Markt für LED-Allgemeinbeleuchtung bedient werden soll.

Das hat vielen Anlegern nicht geschmeckt, insbesondere stiess die Weichenstellung auch bei Siemens-Chef Joe Kaeser auf Widerwillen. Seit Berliens Vorstoss im November kritisiert Kaeser auch öffentlich die Strategie des Manager-Kollegen. Auf der Osram-Hauptversammlung entzog der Dax-Konzern Berlien gar das Vertrauen. Personell schlug sich der Streit unter anderem darin nieder, dass Ex-Finanzchef Klaus Patzak wegen unterschiedlicher "Auffassungen über die strategische Entwicklung" Osram inzwischen verlassen hat./men/he

(AWP)