Panalpina erleidet Gewinneinbruch - Rückstellung wegen Öl- und Gasgeschäft

(Mit weiteren Details ergänzt, u.a. zur Entwicklung im zweiten Halbjahr und in Geschäftsbereichen)
20.07.2016 09:35

Basel (awp) - Der Transport- und Logistikkonzern Panalpina hat wegen seiner Exponiertheit gegenüber der schwächelnden Öl- und Gasindustrie einen Gewinneinbruch erlitten. Da die Basler in naher Zukunft nicht mit einer Stimmungsaufhellung in diesem wichtigen Kundensegment rechnen, wurden Rückstellungen für Restrukturierungskosten gebildet.

Da kein unmittelbarer Aufschwung im Öl- und Gasgeschäft zu erwarteten sei, habe man 26 Mio CHF für Restrukturierungen zurückgestellt, teilte Panalpina am Mittwoch mit. "Während des zweiten Quartals wurde es offensichtlich, dass das Öl- und Gasgeschäft nicht so schnell wieder auf die Beine kommen wird", wird CEO Peter Ulber zitiert. "Wir entschieden uns deshalb, unsere Kapazitäten den aktuellen Volumen anzupassen und nicht auf eine Markterholung zu warten."

Der operative Gewinn auf Stufe EBIT kam in der Folge bei 10,7 Mio CHF zu liegen nach 35,1 Mio im Vorjahr und der Reingewinn bei 4,5 Mio CHF nach 25,7 Mio. Bereinigt um den Rücksteller legte der EBIT jedoch um 4,8% auf 36,8 Mio CHF zu.

"ÜBRIGES GESCHÄFT ROBUST"

"Die ermutigende Nachricht ist, dass das übrige Geschäft trotz schrumpfender Märkte in der Luft- und Seefracht weiterhin beachtlich robust war", so Ulber.

Der Nettoumsatz im zweiten Quartal ging zwar um 10% auf 1,29 Mrd CHF zurück. Der für ein Logistikunternehmen aussagekräftigere, weil um die volatilen Frachtraten bereinigte Bruttogewinn legte allerdings um 1,9% auf 371,4 Mio CHF zu.

Analysten hatten im Vorfeld im Durchschnitt (AWP-Konsens) einen Nettoumsatz von 1,36 Mrd, einen Bruttogewinn von 369,0 Mio CHF, einen EBIT von 34,5 Mio und einen Reingewinn von 25,8 Mio veranschlagt.

BRUTTOGEWINN IM HALBJAHR STABIL - LUFTFRACHTVOLUMEN ZIEHEN AN

Betrachtet man die Geschäftsentwicklung im gesamten ersten Halbjahr, zeigt sich ein Rückgang beim Nettoumsatz von 13% auf 2,60 Mrd CHF, während sich der Bruttogewinn mit 736,3 Mio CHF stabil entwickelte.

Im Luftfrachtgeschäft stiegen die Volumen in den ersten sechs Monaten um 8%, womit an die positive Entwicklung im ersten Quartal (+5%) angeknüpft wurde. Der Luftfrachtmarkt ist derweil um von Panalpina geschätzte 3% geschrumpft.

Die Volumen von zugekauften Unternehmen hätten 6% des Wachstums ausgemacht, heisst es dazu. Höhere Volumen seien bei Frischwaren verzeichnet worden, tiefere im Öl- und Gassektor. Der Sparten-Bruttogewinn legte um 3,7% auf 304,5 Mio CHF zu, pro Tonne gerechnet resultiert allerdings ein Rückgang um 4% auf 690 CHF.

In Folge der Rückstellung schrumpfte der Segment-EBIT um 28% auf 33,1 Mio CHF. Damit kam die Konversionsmarge, die das Verhältnis von EBIT zum Bruttogewinn ausdrückt und in der Branche als massgebende Profitabilitätskennzahl gilt, bei 10,9% zu liegen nach 15,7% im Vorjahreshalbjahr.

SEEFRACHTVOLUMEN RÜCKLÄUFIG

In der Seefracht nahm das Containervolumen im ersten Halbjahr um 9% (Q1 -10%) ab, während der Markt den Angaben zufolge um 1% schrumpfte. Für den Rückgang werden signifikant tiefere Volumen im Öl- und Gasgeschäft und ein ausgelaufener Grossauftrag verantwortlich gemacht. Der Bruttogewinn sank um 1,8% auf 232,9 Mio CHF, während er pro Container um 8% auf 323 CHF zunahm. Der EBIT kam bei 1,3 Mio CHF zu liegen nach 12,8 Mio im entsprechenden Vorjahreszeitraum, die Konversionsmarge bei 0,5% nach 5,4%.

Im Bereich Logistik, in welchem Lager- und Verteildienste angeboten werden, ging der Bruttogewinn um 3,1% auf 198,9 Mio CHF zurück und der EBIT auf 0,3 Mio CHF von 1,5 Mio.

STABILISIERUNG IM ÖL- UND GASGESCHÄFT

"Das Öl- und Gasgeschäft ist für uns immer noch von strategischer Bedeutung und wir sind zuversichtlich, dass wir die richtigen Massnahmen getroffen haben in einem Markt, der sich langsam stabilisiert", so Ulber mit dem Blick voraus. "In allen übrigen Industriezweigen hat sich unser Geschäft gut entwickelt und wir erwarten, dass dies im weiteren Verlauf des Jahres so weitergeht." Die Kostenkontrolle bleibe eine wichtige Priorität, während der Geschäfts- und Produktemix weiter ausbalanciert werde.

cp/rw

(AWP)