Paukenschlag bei Aryzta - Nach Gewinnwarnung nimmt Führungsetage ihren Hut

(Meldung umgeschrieben und um Hintergrund erweitert) - Aryzta sorgt erneut für Schlagzeilen. Gut drei Wochen nach einer scharfen Gewinnwarnung des Backwarenkonzerns kommt es nun zum nächsten Paukenschlag: Die gesamte Führungsetage nimmt ihren Hut. Per Ende des Geschäftsjahres (Juli 2017) treten CEO Owen Killian, CFO/COO Patrick McEniff und CEO Americas John Yamin von ihren Ämtern zurück, teilt das Unternehmen am Dienstag mit.
14.02.2017 08:08

Erst Ende Januar mussten Anleger schlechte Nachrichten verdauen. So kündigte Aryzta an, dass der Gewinn je Aktie per Ende Dezember 2016, das heisst nach fünf Monaten des Geschäftsjahres 2016/17, um rund 20% unter dem Vorjahr liege und ähnliches auch für das Gesamtjahr gelten dürfte. Für die Aktie war es ein desaströser Tag - sie brach um mehr als 30% ein.

Damals bezeichnete der CEO die Schwäche insbesondere im nordamerikanischen Markt als Zeitproblem. "Wir haben kein Strukturproblem, die Probleme sind temporär und lösbar", sagte er im Januar an einer Telefonkonferenz. Offenbar ist man bei Aryzta nun zu dem Schluss gekommen, dass andere die Lösung übernehmen sollen.

INTERIM-MANAGEMENT TEAM SOLL FÜR STABILITÄT SORGEN

Über ein Recruiting-Unternehmen sollen nun Nachfolger gefunden werden. Um für einen geordneten Übergang sowie eine gewisse Stabilität für das Geschäft zu sorgen, habe der Verwaltungsrat per sofort drei neue Mitglieder ins Executive-Management-Team berufen. Dieses besteht nun aus dem COO Europe Dermot Murphy, COO Americas Ronan Minahan und COO APMEA Robert O'Boyle.

Neben dieser Personalmassnahme werden zudem die Kreditbedingungen, die so genannten Covenants angepasst. Derzeit operiere man weiterhin mit einem Covenant von 3,5x Nettoverschuldung/EBITDA, es gebe aber die Option für eine Erhöhung auf 4,0x. Sollte dieser Bereich erreicht werden, stiegen die Finanzierungskosten um 40-50 Basispunkte.

Zudem werden Investment-Alternativen für die Beteiligung am französischen Tiefkühlprodukte-Hersteller Picard geprüft, heisst es weiter. Derzeit hält Aryzta eine Beteiligung von 49% zusammen mit einer Option auf den Erwerb der verbleibenden 51%. Mögliche Erlöse würden zur Stärkung der Bilanz verwendet.

Vorbörslich sah es für die Aktien indes recht gut aus, bei Julius Bär im vorbörslichen Handel wurden sie rund 10% höher gestellt.

dm/ra

(AWP)