Pegelstände sinken - 'Harveys' Ausmass wird nur langsam sichtbar

(Ausführliche Fassung) - In der von Tropensturm "Harvey" überfluteten US-Stadt Houston suchen Helfer nach weiteren möglichen Opfern. Wie der Sender CBS berichtete, klopften Rettungsteams am Donnerstag (Ortszeit) an Zehntausende Wohnungstüren auf der Suche nach Menschen, die sich noch im Hochwassergebiet befinden. Die Pegelstände nach den schweren Überschwemmungen sinken langsam, das Ausmass der Zerstörung wird fast eine Woche nach Eintreffen des Sturms sichtbar.
01.09.2017 10:55

Die Behörden erwarten, dass das Wasser bis Freitagabend oder Samstag aus den meisten Teilen Houstons und dem Bezirk Harris County zurückgegangen sein wird. 100 000 Häuser in den Überflutungsgebieten um die Millionenmetropole Houston und in weiteren Gegenden von Texas und Louisiana seien beschädigt worden, teilte das Weisse Haus mit. Die Behörden befürchteten viele Tote - wie viele, ist noch unklar. CBS meldete unter Berufung auf die Behörden des Bezirks Harris County 25 Tote, in anderen Berichten war von bis zu 39 Opfern die Rede.

US-Präsident Donald Trump liess ankündigen, er wolle aus seinem Privatvermögen eine Million Dollar für die Flutopfer spenden. Die Schäden sollen nach ungenauen Schätzungen in mehrstelliger Milliardenhöhe liegen. Trump wolle sich am Samstag erneut ein Bild von der Lage machen, kündigte Vizepräsident Mike Pence an, der am Donnerstag im Hochwassergebiet war.

Wie die "Washington Post" am Freitag meldete, könnte die Regierung knapp 6 Milliarden Dollar (5 Milliarden Euro) an ersten Hilfsgeldern für die Katastrophenschutzbehörde Fema und Notfallkredite für Kleinunternehmen freigeben. Das Weisse Haus und der Kongress seien darüber im Gespräch. Die 6 Milliarden wären nach dem Bericht nur ein erster Teil eines grossen Hilfspaketes.

Am Donnerstag hatten mehrere kleinere Explosionen in einer Chemieanlage in der Nähe von Houston für Aufregung gesorgt. Mehrere Polizisten wurden mit Atemwegsreizungen vorübergehend im Krankenhaus behandelt. Es gebe jedoch keine Hinweise auf gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung. Um die Anlage wurde eine Sicherheitszone von rund 2,5 Kilometern gezogen. Die französische Betreiberfirma Arkema teilte mit, es könne zu weiteren Bränden oder Explosionen der dort gelagerten organischen Peroxide kommen.

"Harvey" war am frühen Samstagmorgen erstmals in Texas auf Land getroffen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat mancherorts bis zu 1250 Liter Regen pro Quadratmeter - ein Rekord für das Festland der USA. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer. Das US-Hurrikan-Zentrum stufte "Harvey" inzwischen zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herunter. Am Donnerstag zog es östlich durch Louisiana. Auch dort gab es Überschwemmungen, doch die Lage war weit weniger dramatisch als in Texas. Auch Mississippi, Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliche Überschwemmungen.

In Texas blieb die Lage angespannt. Die Städte Beaumont und Port Arthur kämpften mit Überschwemmungen - hier waren innerhalb von 24 Stunden 660 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Nach Angaben der Behörden brach in Beaumont die Trinkwasserversorgung zusammen, nachdem die zentrale Pumpanlage dem Druck eines angeschwollenen Flusses nachgegeben hatte. Die Versorgung könne erst wieder hergestellt werden, wenn der Wasserspiegel sinke. In vielen Teilen von Texas wuchs wegen der riesigen Mengen an stehendem Wasser die Furcht vor einer Moskito-Plage.

Die Benzinpreise in den USA stiegen, in Texas gab es an mehreren Tankstellen gar keinen Kraftstoff mehr. Auch eine wichtige Pipeline zur Versorgung der bevölkerungsreichen Ostküste musste vorübergehend ausser Betrieb genommen werden. Mehrere Raffinerien stehen still. Der Gouverneur des Bundesstaats North Carolina rief einen Notstand aus. Dieser hebe Verkehrsregeln auf, damit dringend benötigter Kraftstoff schneller durch den Bundesstaat transportiert werden könne, teilte Gouverneur Roy Cooper mit.

Zahlreiche US-Stars werben für Spenden zugunsten der Opfer des Tropensturms - unter anderem bekundeten Schauspieler wie Sandra Bullock, Leonardo DiCaprio, Kevin Hart und Amy Schumer sowie Sängerin Beyoncé ihre Hilfsbereitschaft. Popstar Miley Cyrus kündigte in der Sendung von Ellen DeGeneres an, 500 000 US-Dollar für die Katastrophenhilfe in Houston zu geben.

"Harvey" könnte nach ersten Schätzungen zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA werden. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte bereits am Mittwoch erklärt, er erwarte alleine Kosten für die Nothilfe der Bundesregierung von weit mehr als 100 Milliarden Dollar./hma/dm/DP/stb

(AWP)