Politische Sorgen belasten Schweizer Börse

Sorgen um die Entwicklung in Italien und Griechenland setzen am Dienstag der Schweizer Börse zu. Das Geschäft verlief laut Händlern aktiver als am Vortag.
30.05.2017 13:10

"Die Umsätze haben merklich angezogen", sagt ein Börsianer. Der SMI sinkt um 0,5 Prozent auf 8987 Zähler. Am Montag war der Leitindex um 0,1 Prozent gefallen.

Die Anleger befürchten, dass in Italien bei möglichen vorgezogenen Neuwahlen im Herbst die Protestpartei "Fünf Sterne" die stärkste Kraft werden könnte. Und Griechenland will einem Zeitungsbericht zufolge notfalls ohne die nächste Milliardenhilfe seiner europäischen Partner auskommen. Ein Sprecher der griechischen Regierung wies den Bericht allerdings zurück. "Das schürt die Furcht vor einem Aufflammen der Euro-Krise", sagt ein Händler.

Auch enttäuschende Konjunkturzahlen aus der Euro-Zone, wo die Wirtschaftsstimmung überraschend gefallen war, und der unerwartet starke Rückgang des KOF-Konjunkturbarometers im Mai trüben die Stimmung der Anleger.

Vor dem Wiedereintritt der US-Marktteilnehmer nach dem Feiertag am Montag und vor der Veröffentlichung der wichtigen US-Arbeitsmarktdaten in den kommenden Tagen wollten die Anleger keine Risiken eingehen, heisst es am Markt.

Für frischen Wind könnten auch die Zahlen zu den Ausgaben der US-Konsumenten sorgen, die am Nachmittag publiziert werden. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft. Der Höhepunkt des Datenreigens wird am Freitag erreicht, wenn der monatliche Arbeitsmarktbericht der US-Regierung vorgelegt wird.

Bankaktien unter Druck

Bei den Standardwerten führen Bankaktien die Verliererliste an. UBS büssen 1,4 Prozent an Wert ein und Credit Suisse 0,8 Prozent. Die Senkung der Anlageempfehlung für europäische Bankaktien durch die Deutsche Bank laste auf dem Sektor. Analysten der Bank hatten ihre Einschätzung für den Sektor am Dienstag auf "underweight" von "benchmark" herabgestuft. Zudem lösten neue Sorgen rund um die italienischen Banken im ganzen Sektor Verkäufe aus, heisst es.

Besser schlagen sich die Anteile von Vermögensverwaltern wie Julius Bär und Vontobel mit geringen Abschlägen. Versicherungswerte verlieren meist weniger als ein halbes Prozent.

Index-Schwergewicht Nestlé verliert 0,4 Prozent. Bei Die beiden Pharmawerten Novartis und Roche ermässigen sich um 0,2 Prozent.

Zyklische Titel neigen zur Schwäche. Die Aktien der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Luxusgüterherstellers Richemont büssten je 1 Prozent ein und der Zementproduzent Lafarge-Holcim verliert 0,6 Prozent an Wert. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB sinken um 0,1 Prozent. Der Uhrenhersteller Swatch notiert praktisch stabil.

Aryzta tauchen nach Quartalszahlen

Am breiten Markt fallen die Aryzta-Aktien um 4,3 Prozent. Der Umsatz der Backwarenfirma sank in den ersten neun Monaten um 1,1 Prozent auf 2,88 Milliarden Euro. Verstimmt hat die Anleger in erster Linie aber das Fehlen einer Prognose und die Angst vor einer anhaltenden Margenschwäche.

Die Titel von Sulzer steigen um 0,6 Prozent. Der Pumpenhersteller will durch Zukäufe wachsen. Finanzchef Thomas Dittrich sagte der "NZZ" (Dienstagausgabe), man halte Ausschau nach Akquisitionen. 2017 werde ein Umsatzplus von insgesamt 3 bis 5 Prozent angepeilt.

Die Aktien von Meyer Burger steigen um 4 Prozent. Nach dem Überwinden der Marke von einem Franken nähmen Deckungskäufe zu, erklärt ein Händler.

(Reuters)