Portugal geht kurz vor Ostern der Sprit aus

Ausgerechnet vor dem Touristenansturm der Osterfeiertage geht den Tankstellen im Urlaubsland Portugal der Sprit aus. Wegen eines unbefristeten Streiks der Fahrer von Gefahrgut-Lastwagen rief die Regierung in Lissabon am späten Dienstagabend den Energienotstand aus. Knapp 2800 Tankstellen im ganzen Land hätten bereits Treibstoffknappheit gemeldet, darunter rund 800 allein in der Hauptstadt Lissabon, berichtete die Wochenzeitung "Expresso" am Mittwoch in der Onlineausgabe. Es fehle vor allem an Diesel.
17.04.2019 15:10

Der Präsident des Verbandes der Tankstellenbesitzer (ANAREC), Francisco Albuquerque, erklärte am Mittwoch, rund 40 Prozent aller Zapfsäulen Portugals seien schon trockengelegt oder kurz davor. Probleme mit der Treibstoffversorgung hätten auch die Flughäfen in Lissabon und Faro gemeldet, teilte der Airportverwalter ANA mit.

Nach Medienberichten machte sich die Spritknappheit schon nach gut zwei Tagen auch im öffentlichen Transport negativ bemerkbar. Der Busnahverkehr sei in verschiedenen Städten eingeschränkt worden, schrieb die Zeitung "Público". Taxifahrer-Verbände hätten die Regierung aufgrund der Lage um ein Dringlichkeitstreffen gebeten. Sorgen äusserte auch die Bahngesellschaft CP.

Der unbefristete Ausstand hatte am Montag begonnen. Die Fahrer fordern, dass sie als eigene Berufsgruppe anerkannt werden. An den Tankstellen des auch bei deutschen Touristen sehr beliebten südwesteuropäischen Landes bildeten sich wegen des Ausstandes seit Dienstag zum Teil sehr lange Autoschlangen. An den angrenzenden Strassen und Autobahnen kam es deshalb zu Staus.

Der nationale Verband der Tourismus-Unternehmen (CTP) warnte angesichts der alarmierenden Nachrichten vor einer "Touristenflucht", die der Volkswirtschaft schweren Schaden zufügen könne. Bei der Überwindung der jahrelangen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte der Tourismus in Portugal mit ständig steigenden Übernachtungszahlen eine entscheidende Rolle gespielt. Der Anteil des Sektors am Bruttoinlandsprodukt kletterte zuletzt (2017) auf knapp 14 Prozent. Die Tourismus-Einnahmen betrugen nach offiziellen Angaben rund 27 Milliarden Euro.

Bei der Ausrufung des Notstandes hatte die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Antonio Costa erklärt, die vom Gesetz bei einem Streik vorgeschriebenen Mindestdienste würden nicht eingehalten. Auch deshalb sei es zur Treibstoffknappheit gekommen, hiess es. Der Notstand ermöglicht unter anderem die Mobilisierung von Angehörigen des Militärs, der Nationalgarde, der Feuerwehr und des Zivilschutzes zur Sicherstellung der Versorgung.

Beobachter hofften unterdessen auf eine Entspannung der Lage. Zum einen sicherte die zuständige Gewerkschaft SNMMP der Regierung nach langen Verhandlungen in der Nacht zum Mittwoch zu, dass man ab sofort die Mindestdienste einhalten werde. Die Versorgung von Krankenhäusern, Flughäfen und Militär-Einrichtungen werde zu 100 Prozent garantiert, hiess es. Am Mittwoch stellte das Militär ausserdem 15 "für den Transport von Gefahrengut gut ausgebildete" Fahrer zur Verfügung, die wenn nötig als Ersatz für die streikenden Fahrer zum Einsatz kommen sollen./er/DP/jha

(AWP)