Post: Susanne Ruoff bleibt trotz Postauto-Affäre vorerst Konzern-Chefin

(Zusammenfassung) - Ob Trickserei, Verletzung des Subventionsrechts oder Betrug: Trotz des Buchhaltungs-Skandals bei der PostAuto AG hat der Verwaltungsrat der Post Konzernchefin Susanne Ruoff das Vertrauen ausgesprochen - zumindest solange, bis die Resultate der Untersuchung durch eine eigens gegründete Task-Force vorliegen.
15.02.2018 18:26

Diesen Entscheid fällte der Verwaltungsrat am Mittwoch, am Donnerstag informierte VR-Präsident Urs Schwaller die Medien darüber. Der erwartete Paukenschlag - ein Rücktritt Ruoffs, wie er in den vergangenen Tagen teilweise gefordert worden war - fiel aus.

Die Post habe durch die PostAuto-Affäre grossen Schaden erlitten, sagte der ehemalige CVP-Ständerat zu Beginn der Pressekonferenz. Er sprach von "gravierenden" und "unentschuldbaren" Vorfällen, bei denen die Kontrollinstanzen während vieler Jahre versagt hätten.

Dann entschuldigte er sich bei den Mitarbeitenden der Post, die Tag für Tag eine hervorragende Arbeit leisteten, bei den Kunden und bei der Öffentlichkeit. Das Vertrauen in das Traditionsunternehmen könne erst wieder hergestellt werden, wenn ganz klar sei, was passiert sei und wer die Verantwortung dafür trage.

UNABHÄNGIGE TASK-FORCE

Der Post-Verwaltungsrat will aus diesem Grund die "illegale Buchungspraxis" bei PostAuto in den Jahren 2007 bis 2015 von einer eigens geschaffenen, unabhängigen Expertengruppe aufklären lassen. Falls nötig, werde der Untersuchungszeitraum ausgedehnt. Erste "klare Aufschlüsse" würden im Mai erwartet, bis im Sommer soll die Untersuchung abgeschlossen sein und das Resultat "mit voller Transparenz" offengelegt werden.

Für die Untersuchung der Buchhaltungsaffäre sei er selbst zuständig, erklärte Schwaller. Die Expertengruppe sei direkt ihm unterstellt. Dieses Vorgehen solle sicherstellen, dass die Untersuchung unabhängig und "in der nötigen Tiefe" geführt werde. Es sei im ureigenen Interesse der Post, die ganze Affäre lückenlos aufzuarbeiten.

RUOFF BLEIBT

Ruoff bleibt auf Wunsch des Verwaltungsrats bis auf Weiteres Konzernchefin und soll sich auf das operative Geschäft konzentrieren. "Ich will eine vollständige Trennung der Untersuchung von der operativen Leitung", stellte Schwaller klar. Dieses Vorgehen sei wichtig, um damit auch die Verantwortlichkeiten auf Stufe Konzernleitung überprüfen zu können.

Die Angelegenheit sei komplex und Vorverurteilungen von Personen fehl am Platz. Es gelte die Unschuldsvermutung - und zwar auch für Ruoff.

Für den Entscheid des Verwaltungsrats, der Konzern-Chefin das Vertrauen auszusprechen, gäbe es einen weiteren Grund, sagte Schwaller. Für diese Stufe der Konzernleitung gäbe es nur ein "entweder oder". Ein Freistellen der Post-Chefin über mehrere Monate sei schlicht keine Option.

Der Post-Betrieb mit seinen 60'000 Mitarbeitenden müsse weiterhin gewährleistet werden. "Unsere Partner müssen sich auf die Post verlassen können."

VORERST KEIN BONUS

Als weitere Massnahme gab Schwaller am Donnerstag bekannt, dass für die Geschäftsleitungsmitglieder von PostAuto die variablen Lohnanteile für 2017 aufgeschoben würden. Aufgeschoben wird auch die Bonus-Auszahlung für Post-Chefin Ruoff - offenbar auf deren eigenen Entscheid hin.

Weiter soll die Strategie von PostAuto einer "grundsätzlichen Prüfung" unterzogen werden. Auf ein Gewinn- beziehungsweise EBIT-Ziel für PostAuto wird verzichtet.

Die vorübergehende Führung der Post-Tochter um Thomas Baur wird zudem mit weiteren Personen ergänzt und die Geschäftsleitung von PostAuto diesem ad-interim-Führungsteam unterstellt. Überprüft und falls nötig angepasst werden ausserdem Investitionsvorhaben von PostAuto sowie die Governance der Sparte.

500'000 DOKUMENTE

Anfang Februar war bekannt geworden, dass die PostAuto AG jahrelang im subventionierten Geschäftsbereich Gewinn erzielt und zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen hatte. Letztere verlangen deshalb 78,3 Mio CHF von der Post zurück. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat wegen der Buchhaltungs-Affäre inzwischen auch Strafanzeige eingereicht.

Die Post hat bereits angekündigt, dass sie das Geld "vollumfänglich" zurückerstatten will. Die Summe sei bereits im Jahresabschluss vorgesehen. Sie will zudem mit den untersuchenden Behörden kooperieren und alle benötigten Belege zur Verfügung stellen. Schwaller rechnet mit bis zu 500'000 relevanten Dokumenten.

cf/

(AWP)