Postfinance führt Negativzinsen für vermögende Privatkunden ein

(Meldung weiter ergänzt)
11.11.2016 13:10

Bern (awp/sda) - Als erstes grosses Schweizer Finanzinstitut führt Postfinance für Privatkunden Negativzinsen ein. Betroffen sind vorerst aber nur reiche Sparer.

Für Beträge, welche die Schwelle von 1 Mio CHF übersteigen, müssen Kunden künftig eine Gebühr von 1% bezahlen. Grund für die neue Regelung, die am 1. Februar 2017 in Kraft tritt, sind die Giroguthaben von Postfinance bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Diese übersteigen die Freigrenze, weshalb das Institut laut einer Mitteilung vom Freitag im laufenden Jahr bereits mehr als 10 Mio CHF Strafzinsen bezahlen musste. Die SNB erhebt auf Giroguthaben, die den Betrag von 10 Mio CHF überschreiten seit dem 22. Januar 2015 einen Negativzins von 0,75 Prozent.

GROSSER PLAYER IM KLEINKUNDEGESCHÄFT

Postfinance ist erst das zweite Schweizer Geldhaus, das die Negativzinsen an seine Privatkunden weitergibt. Bis anhin verlangte einzig die Alternative Bank Geld für Einlagen. Mit knapp 3 Millionen Kunden ist Postfinance allerdings ein ungleich grösserer Player als die Alternative Bank mit lediglich 30'000. Postfinance ist unter den Retailfinanzinstituten die Nummer fünf in der Schweiz.

Noch im August hatte Postfinance-Chef Hansruedi Köng in einem Interview mit der "Berner Zeitung" gesagt, Strafzinsen für Sparer seien bis auf weiteres nicht geplant. Allerdings verlangte das Institut - wie andere Bank auch - bereits zuvor von Grösstkunden und institutionellen Anlegern eine Gebühr auf Bareinlagen.

NORMALSPARER VORERST NICHT BETROFFEN

Ausser bei der Alternativen Bank bleiben Normalsparer vorerst noch von Strafzinsen verschont. Die Finanzinstitute fürchten bei einer Belastung ihrer Kleinkunden negative Reaktionen und einen Imageverlust.

Die Banken halten sich stattdessen vor allem an den Hypothekarschuldnern schadlos. Sie kompensieren die Verluste bei den Kundeneinlagen mit deutlich höheren Margen im Kredit- und Hypothekargeschäft.

Zudem gleichen sie die Belastung der Negativzinsen tendenziell auch durch höhere Gebühren aus. Diesen Weg geht auch Postfinance. So werden die zusätzliche Kontogebühren für Kunden aus dem Ausland per 1. Januar 2017 von 15 auf 25 CHF erhöht. Ebenfalls per Anfang Jahr werden die Zinssätze auf Jungendsparkonten, den Freizügigkeitskonten für die 2. Säule, den Vorsorgekonten 3a und den Sparkonten für Geschäftskunden und Vereine deutlich reduziert.

tp/ra

(AWP)