Postfinance streicht Stellen und legt Kontaktzentren zusammen

(Meldung weiter ergänzt) - Postfinance hat mit der Umsetzung eines umfangreichen Spar- und Umbauprogramms begonnen. So will die Bank der Post in den nächsten Monaten die Zahl der Kontaktzentren und Büroflächen reduzieren. Teil des Sparprogramms ist auch ein Stellenabbau.
21.09.2017 13:43

Insgesamt will Postfinance 45 Stellen in denjenigen Bereichen streichen, die von der Digitalisierung und Automatisierung besonders stark betroffen sind, wie Postfinance-Sprecher Johannes Möri auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagt. Postfinance geht dabei davon aus, dass der Stellenabbau zu keinen Kündigungen führen wird. "Es ist unser Ziel, dass der Abbau durch natürliche Fluktuation und vorzeitige Pensionierungen durchgeführt werden kann", sagt Möri.

Die Bank hat am Donnerstag ein entsprechendes Konsultationsverfahren eingeleitet. Das Verfahren umfasst dabei jedoch nicht nur den Stellenabbau, sondern noch drei weitere Massnahmen. So reduziert Postfinance erstens die Büroflächen und die Zahl der Kontaktzentren. Insgesamt räumt die Bank 2000 Quadratmeter Büroflächen und schliesst die Kontaktzentren in Kriens LU, Münchenstein BL und St. Gallen.

Deren Aufgaben sollen künftig die Kontaktzentren in Zofingen AG respektive Netstal GL übernehmen, die dafür den Personalbestand aufstocken. Von dieser Verlagerung sind insgesamt rund 160 Angestellte betroffen, denen Postfinance in Zofingen und Netstal eine Stelle anbietet.

Weil der Weg von Kriens und Münchenstein nach Zofingen gemäss Sozialplan für die betroffenen Angestellten zumutbar ist, hätte die Postbank gemäss Möri die Möglichkeit, den Arbeitsvertrag zu kündigen, sollte jemand den Umzug nicht mitmachen wollen. Mit diesen Personen würde man aber in jedem Fall das Gespräch suchen. Bei der Verlagerung von St. Gallen nach Netstal dagegen liege der Fall anders. Hier käme der Sozialplan zur Anwendung, weil die Zumutbarkeit nicht gegeben wäre.

AUSLAGERUNG VON 120 ARBEITSPLÄTZEN

Eine weitere Massnahme ist zweitens die Auslagerung von 120 Angestellten, die für die Bearbeitung von Dokumenten und Belegen zuständig sind. Anstatt bei Postfinance sollen diese Beschäftigten ab dem 1. März 2018 bei der Post-Tochter Swiss Post Solutions (SPS) angestellt sein. "SPS bietet für diese Angestellten gute Zukunftsaussichten", sagt Möri dazu.

Auslöser der Verlagerung ist, dass durch die zunehmende Digitalisierung die Zahl der Papier-Dokumente und Belege stark schrumpft. Der Informationslogistiker SPS bietet anderen Unternehmen an, die Post- und Dokumentenverarbeitung zu übernehmen.

Vierte und letzte Massnahme, die im Rahmen des Konsultationsverfahrens besprochen wird, ist schliesslich die Überprüfung des Filialnetzes. Gemäss Möri geht es dabei darum, dass die Bank plant, schwach frequentierte Kundenzonen in den Filialen zu schliessen. Den betroffenen Mitarbeitenden bietet Postfinance eine Stelle in einer anderen Filiale oder eine Weiterbildung Richtung Kundenberatung an. Die Schliessung einer der insgesamt 42 Postfinance-Filialen dagegen ist gemäss Möri nicht geplant.

SCHARFE KRITIK DER GEWERKSCHAFT

Ein Teil der Pläne der Bank wird von der Gewerkschaft Syndicom scharf kritisiert. So bezeichnet Syndicom-Sprecher Christian Capocoel die Auslagerung der Belegs-Angestellten als einen "Skandal". Die Gewerkschaft fürchtet, dass sich mit der Verlagerung die Löhne und die Arbeitsbedingungen verschlechtern.

So unterstehen die Angestellten der SPS einem anderen, gemäss Syndicom "deutlich schlechteren" Gesamtarbeitsvertrag (GAV) als die Beschäftigten von Postfinance. Zudem befürchtet die Gewerkschaft, dass die Löhne der betroffenen Angestellten dem um rund 15 Prozent tieferen Lohnniveau von SPS angepasst wird. Postfinance habe den Angestellten den Besitzstand nur für ein Jahr garantiert, sagt Roland Lamprecht von Syndicom.

Die Gewerkschaft will diese Auslagerung vor allem auch darum bekämpfen, weil sie darin ein Modell für die Zukunft sieht. "Wenn sich Postfinance damit durchsetzt, wird das nur der Anfang sein", sagt Lamprecht. Denn die Postbank habe viele Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung unter Druck kommen werden.

dm/

(AWP)