Preisdruck schlägt bei Evonik durch - Wachstum 2017 dank Zukäufen

(Ausführliche Fassung) - Niedrigere Preise bei Kernprodukten haben den Spezialchemiekonzern Evonik im vergangenen Jahr belastet. Umsatz und operativer Gewinn gingen deutlich zurück. Der scheidende Konzernchef Klaus Engel zeigte sich am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Essen dank der jüngsten Zukäufe dennoch zuversichtlich. "Die erfolgreiche Übernahme des Spezialadditiv-Geschäfts von Air Products und der geplante Erwerb des Silica-Geschäfts von Huber geben unserem Wachstumskurs zusätzlichen Schub." Umsatz und operatives Ergebnis dürften 2017 dank der Zukäufe zulegen. Den Aktionären winkt mit 1,15 Euro je Aktie eine stabile Dividende.
02.03.2017 08:01

Im vergangenen Jahr sank der Umsatz wegen niedrigerer Preise um 6 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Das ein Jahr zuvor noch boomende Geschäft mit Tierfutter-Eiweiss litt unter Preisdruck. Auch für das laufende Jahr zeichnet sich noch keine wirkliche Entspannung ab. Insgesamt ging der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 12 Prozent auf 2,165 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich verdienten die Essener ebenfalls deutlich weniger: Der Gewinn sank um 15 Prozent auf 844 Millionen Euro. Damit erfüllte der Konzern die Erwartungen der Analysten und die eigenen Ziele.

AIR-PRODUCTS-SPARTENKAUF STÜTZT

Für 2017 stellte der nach der Hauptversammlung im Mai ausscheidende Evonik-Chef Engel dank der jüngsten Zukäufe eine Steigerung von Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) dürfte im laufenden Jahr bei 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro liegen, hiess es. Das Spezialadditiv-Geschäft von Air Products dürfte bei einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro dabei ein operatives Ergebnis von 250 Millionen Euro beisteuern.

Ohne diesen Zukauf würde das operative Ergebnis also weiter sinken. Grund ist der anhaltende Preisdruck. Evonik rechnet bei den Verkaufspreisen über das gesamte Produktportfolio im laufenden Jahr mit einem leichten Rückgang. Auch bei den für die Tierernährung essenziellen Aminosäuren seien im Schnitt niedrigere Preise zu erwarten. Evonik ist hier Weltmarktführer. Inzwischen drängen immer mehr Wettbewerber auf den Markt. In den Vorjahren hatte Evonik aus dem wachsenden Fleischverbrauch noch Gewinn geschlagen und glänzende Geschäfte gemacht.

ALTE LANGFRISTZIELE FALLEN UNTER DEN TISCH

Die alten Langfristziele für 2018 wurden im Geschäftsbericht nun nicht mehr erwähnt. 2013 hatte Evonik diese Ziele für das kommende Jahr ausgegeben. Demnach war ursprünglich geplant, dass der Umsatz bis 2018 auf rund 18 Milliarden Euro klettert und das bereinigte Ebitda auf mehr als 3 Milliarden Euro zulegt. Ohne grosse Übernahme ist dies nun nicht mehr zu schaffen.

Zu Wochenbeginn hatte der Konzern einen vorzeitigen Chefwechsel angekündigt: Nach der Hauptversammlung am 23. Mai übernimmt der bisherige Vize Christian Kullmann die Konzernspitze von Engel. Kullmann galt schon länger als Kronprinz.

GROSSAKTIONÄR RAG

Evonik hatte zuletzt mehrere grosse Zukäufe gestemmt. Für 3,8 Milliarden US-Dollar schluckten die Essener etwa das Spezialadditiv-Geschäft des US-Konkurrenten Air Products. Mit der Übernahme verringert Evonik seine starke Abhängigkeit von einzelnen Produkten. Evonik mit weltweit mehr als 34 000 Mitarbeitern gehört mehrheitlich der deutschen Steinkohlestiftung RAG. Diese muss aus ihren Einnahmen die Folgelasten des Steinkohlebergbaus finanziert./jha/das/fbr

(AWP)