Preiserhöhungen und Tesco-Streit halten Unilever in Atem

(Ausführliche Fassung)
13.10.2016 13:26

LONDON/AMSTERDAM (awp international) - Der Konsumgüterriese Unilever bekommt die Auswirkungen seiner Preispolitik sowie eine schwächere Verbrauchernachfrage zu spüren. Zwar konnte der Hersteller von Dove-Seife oder Magnum-Eis mit seinen Umsatzzahlen zum dritten Quartal auf den ersten Blick die Erwartungen der Analysten übertreffen. Experten sahen aber auch Anzeichen zur Beunruhigung. Zudem überschattete ein Streit mit der grössten britischen Supermarktbetreiber Tesco auf der Insel die Zahlen. Die Unilever-Aktie verlor am Donnerstag in London zuletzt 2,86 Prozent.

Medienberichten zufolge hat sich Unilever mit Tesco wegen seiner geplanten Preiserhöhungen überworfen. Laut der Zeitung "Guardian" will Unilever die Preise für bestimmte Produkte um bis zu 10 Prozent anheben. Grund dafür sei die Pfund-Schwäche infolge des Brexit-Entscheids. Weil Tesco das nicht akzeptiere, habe der Konsumgüterkonzern kurzerhand die Belieferung gestoppt. An der Börse wurden Papiere beider Unternehmen abgestraft. Auch Tesco-Titel büssten mehr als 2 Prozent ein.

Unilever-Finanzchef Graeme Pitkethly spielte am Donnerstag die Bedeutung des Streits herunter. Grossbritannien trage nur zu 5 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe bei, sagte er. Man versuche den Disput aber so schnell wie möglich zu lösen.

Die Preise hob Unilever im dritten Quartal auch andernorts so stark an wie lange nicht mehr. Währungsbereinigt und ohne den Einfluss von Zu- oder Verkäufen legten die Umsätze um 3,2 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro zu, was mehr war als Analysten erwartet hatten. Unterstützung bekam der Konzern insbesondere vom warmen Wetter in Europa, das die Eiscremeverkäufe ankurbelte.

Allerdings gingen die verkauften Mengen zurück. Insgesamt sei die Verbrauchernachfrage schwach, räumte Vorstandschef Paul Polman ein. Zu spüren bekam der Konzern dies in den für ihn so wichtigen Schwellenländern wie beispielsweise Lateinamerika. Der finanzielle Spielraum sei für viele Verbraucher kleiner geworden, kommentierte Barclays-Analyst Simon Hales. Das werde Folgen für die gesamte Industrie haben. Pitkethly nannte die Preisanhebungen hingegen "vernünftig", angesichts des Währungsverfalls und höherer Rohstoffkosten./she/jha/stb

(AWP)