Presse: Bain kapituliert wohl im Bieterkampf mit AMS um Osram

(ausführliche Meldung) - Nach der jüngst erhöhten Offerte des Chipkonzerns AMS für den Lichtkonzern Osram geben sich die mitbietenden Finanzinvestoren Advent und Bain laut einem Pressebericht offenbar geschlagen. Das neu formierte Investorenduo verzichte demnach auf Gegenmassnahmen, berichtete die "Börsen-Zeitung" am Dienstag ohne genauere Quellen zu nennen.
01.10.2019 12:16

AMS hatte sein Angebot auf den letzten Metern erhöht. Wenige Tage vor Ablauf der Angebotsfrist, die in der Nacht von diesem Dienstag auf Mittwoch ausläuft, hatte der österreichische Halbleiterhersteller seine Offerte am vergangenen Freitag von 38,50 auf 41 Euro je Aktie aufgestockt, was einen Gesamtkaufpreis von über 3,9 Milliarden Euro bedeuten würde.

Bain und sein Kooperationspartner Advent hatten ihrerseits zuvor angekündigt, das frühere AMS-Angebot von 38,50 Euro deutlich zu überbieten, haben aber bislang keinen neuen Preis genannt. Das ursprüngliche Angebot von 35 Euro je Aktie, das Bain zusammen mit dem Finanzinvestor Carlyle unterbreitet hatte, wurde somit inzwischen von AMS übertrumpft.

Zu spät für verbindliches Angebot

Der bisherige Bain-Partner Carlyle will sich nicht an einer weiteren Erhöhung des Angebots beteiligen. Und mit Blick auf die rund zweiwöchige Prüfungsdauer durch die Bafin könnten Bain und Advent ein verbindliches Angebot ohnehin nicht mehr rechtzeitig vorlegen, sondern nur noch ankündigen, hiess es in der "Börsen-Zeitung".

Die Aktie von AMS war am Dienstagvormittag stärker gefragt und legte um über drei Prozent zu. Voraussetzung für den Erfolg der Österreicher ist nun, dass die übrigen Aktionäre ihnen 62,5 Prozent der Anteile verkaufen. Diese Schwelle hatte sich AMS selbst gesetzt.

Bedenken im Osram-Management

Dass es dazu kommt, ist jedoch nicht sicher. Bis Montagabend waren den Österreichern erst 9,16 Prozent der Osram-Aktien angedient worden, wie das Unternehmen am Dienstag in seiner täglichen Wasserstandsmeldung publiziert hatte. Durch frühere Zukäufe hatte sich AMS bereits rund 15 Prozent der Anteile gesichert und kommt damit insgesamt erst auf einen Viertel der Anteile.

Im Osram-Management gibt es Bedenken, ob AMS die Übernahme finanziell und organisatorisch stemmen kann. Unternehmenschef Olaf Berlien und Verwaltungsratspräsident Peter Bauer erklärten, sie würden ihre eigenen Aktien nicht an AMS verkaufen.

Last-Minute-Entscheidung

Die meisten grossen Investoren warten allerdings bis zum letzten Moment, ehe sie sich entscheiden. An der Börse zeigten sich Beobachter ob des möglichen Scheiterns der Übernahme nun besorgt: "Was passiert nun mit dem Osram-Kurs, wenn AMS nicht die notwendige Mindestannahmeschwelle erreicht?", fragte ein Händler am Dienstagvormittag.

Der Bieterkampf hatte der Aktie in den vergangenen Wochen wieder etwas Schwung verliehen und den leidgeprüften Aktionären damit neue Hoffnung gemacht. Im vergangenen Jahr hatte sich der Börsenwert von Osram bis in den Sommer in etwa gedrittelt: Mit knapp unter 25 Euro waren die Aktien auf ein Tief seit sechs Jahren gefallen.

Nach dem Ende der Annahmefrist haben die Banken, die die Aktiendepots verwalten, 48 Stunden Zeit, um die Ergebnisse zu übermitteln, wie eine Sprecherin von AMS erklärte. Wegen des bevorstehenden Feiertags in Deutschland am Donnerstag könnte sogar erst am Freitag feststehen, ob AMS sich durchgesetzt hat.

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(AWP)