Presse: Deutsche Bank will Ex-Vorständen Boni in Millionenhöhe streichen (AF)

(Ausführliche Fassung)
17.11.2016 11:00

FRANKFURT (awp international) - Die angeschlagene Deutsche Bank will frühere Vorstände laut einem Pressebericht nicht ungeschoren davonkommen lassen. Boni in Millionenhöhe liegen auf Eis, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) berichtete. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2015 hatte der Dax -Konzern allerdings bereits darauf hingewiesen, dass noch nicht ausgezahlte variable Vergütungsbestandteile für etliche damals noch amtierende und ehemalige Top-Manager einbehalten werden sollen.

Betroffen sind demnach elf inzwischen ausgeschiedene Vorstände, darunter die ehemaligen Vorstandschef Josef Ackermann, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" geht es im Falle von Jain um 5,3 Millionen Euro. Jain leitete viele Jahre das Investmentbanking des Konzerns und stand von Juni 2012 bis Mitte 2015 gemeinsam mit Fitschen an der Konzernspitze. Bei Ackermann stehen dem Bericht zufolge 3,5 Millionen Euro in Frage. Die gleichen Beträge hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vor einem Monat genannt.

Die Deutsche Bank steckt in einer tiefen Krise. Vor allem teure Altlasten aus dem Kapitalmarktgeschäft machen dem Konzern zu schaffen. In den vergangenen Jahren musste die Bank bereits mehr als zwölf Milliarden Euro für die Beilegung von juristischen Streitigkeiten zahlen. Das Jahr 2015 brachte für die Bank einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro, rote Zahlen für das laufende Jahr schloss der Vorstand nicht aus.

Derzeit ringt die Deutsche Bank mit der US-Justiz um einen Vergleich für umstrittene Hypothekengeschäfte aus der Zeit der jüngsten Finanzkrise. Dem grössten deutschen Geldhaus droht eine von 14 Milliarden US-Dollar. Allerdings steigen die Ermittler in solchen Verfahren üblicherweise zunächst mit relativ hohen Forderungen ein. Die Deutsche Bank hatte sich zuversichtlich geäussert, die Summe noch erheblich drücken zu können. Im dritten Quartal legte das Institut zusätzlich 500 Millionen Euro für Rechtsrisiken zurück. Das Geldhaus hat für offene Strafen nun insgesamt 5,9 Milliarden Euro reserviert./ben/enl/jha

(AWP)