Produktion in Deutschland legt nach Dämpfer wieder zu

(Ausführliche Fassung) - Nach einem überraschenden Dämpfer Ende 2016 hat die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands Anfang des Jahres wieder zugelegt. Im Januar sei die Gesamtproduktion um 2,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Der Anstieg blieb damit im Rahmen der Erwartungen von Experten. Diese werteten die Zahlen positiv, allerdings mit Einschränkungen.
08.03.2017 09:57

Ende 2016 hatte es noch überraschend einen Dämpfer gegeben. Im Dezember sank die Produktion nach revidierten Zahlen um 2,4 Prozent. Zuvor war sogar ein noch stärkerer Rückgang um 3,0 Prozent gemeldet worden. Durch den Anstieg der Produktion im Januar sei die Dezember-Delle nun mehr als ausgeglichen, schreibt Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank. "Damit dürfte die Industrie zum ersten Mal seit einem Jahr wieder spürbar zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beitragen." Für das erste Quartal 2017 sei mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukt von etwa 0,75 Prozent zu rechnen.

Die enger gefasste Industrieproduktion stieg im Januar um 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Besonders stark legte die Produktion von Investitionsgütern zu, die für die konjunkturelle Entwicklung von hoher Bedeutung sind. Sie stieg um 6,1 Prozent. Auch bei Konsum- und Vorleistungsgütern wurden Zuwächse verzeichnet.

Schlechter sah die Entwicklung ausserhalb der Industrie aus. Die Produktion in den Bereichen Energie und Bau ging etwas zurück. Die Schwäche bei der Bautätigkeit dürfte auf die kalte Witterung zurückzuführen sein, kommentiert Solveen.

Die robusten Produktionszahlen relativieren laut Stefan Kipar, Experte bei der Bayerischen Landesbank, die zuletzt schwache Entwicklung bei den Aufträgen. Am Dienstag hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass die deutsche Industrie im Januar nach einem sehr starken Vormonat 7,4 Prozent weniger Aufträge erhalten hatte. Das ist der stärkste Rückgang seit Januar 2009.

Grund für Euphorie gebe es dennoch nicht, so Kipar. Im Dezember sei die Zahl der arbeitsfreien Tage ungewöhnlich niedrig gewesen. Dennoch dürften viele Unternehmen ihre Produktion über die Weihnachtstage reduziert haben, was durch die statistische Kalenderbereinigung nicht berücksichtigt werde. Insofern sei der Anstieg im Januar zum Teil auch als " statistischer Rückpralleffekt" zu werten.

Ausserdem könnten politische Unsicherheiten dieses Jahr noch für einen Dämpfer sorgen, so Kipar. "Denn gerade die deutsche Industrie ist stark in den von möglichen Handelsrestriktionen betroffenen Märkten USA und Grossbritannien engagiert."/tos/bgf/stk

(AWP)