Produktion in Deutschland mit stärkstem Dämpfer seit acht Jahren

(Ausführliche Fassung) - Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands hat Ende 2016 überraschend den stärksten Dämpfer seit acht Jahren erhalten. Im Dezember sei die Gesamtproduktion um saisonbereinigt 3,0 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Dies ist der stärkste Rückschlag seit Anfang 2009. Am Markt war hingegen ein Anstieg um 0,3 Prozent erwartet worden.
07.02.2017 10:27

Experten erklärten den Rückschlag mit einem Kalendereffekt, der durch die Saisonbereinigung entstehe. Im Dezember gab es ungewöhnlich wenig arbeitsfreie Feiertage, weil mehrere Feiertage auf ein Wochenende fielen. In vielen Unternehmen wurde aber dennoch zum Jahresende nicht gearbeitet und die Fertigung wurde heruntergefahren.

Die Industrieproduktion fiel im Dezember laut Bundesamt um 3,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bei Investitionsgütern und Konsumgütern ging die Fertigung ebenfalls spürbar zurück. Die Energieerzeugung war im Dezember um 0,9 Prozent niedriger als im Vormonat, während die Bauproduktion um 1,7 Prozent fiel.

Der Ökonom Ralph Solveen von der Commerzbank erklärte den Rückschlag mit der Saisonbereinigung durch die Statistiker. Hierdurch werde der Produktionsrückgang in der Zeit des Weihnachtsurlaubs verzerrt: "Für die Saisonbereinigung ist die Anzahl der offiziellen Arbeitstage entscheidend, so dass sie für den Dezember 2016 die Entwicklung zu negativ darstellen dürfte", sagte Solveen.

Nach Einschätzung von Johannes Mayr, Volkswirt bei der BayernLB, dürfte sich der Dämpfer im Dezember als "Einmaleffekt" herausstellen und zu Jahresbeginn teilweise wieder aufgeholt werden. Er begründete seine positive Prognose mit den überraschend starken Auftragseingängen im Dezember und mit einem weiter vergleichsweise hohen Niveau der Stimmungsdaten aus den deutschen Unternehmen.

Auch wenn die Produktionsdaten für Dezember schwach ausfielen: Unterm Strich hielt sich die Fertigung im vierten Quartal 2016 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums nahezu stabil und gab im Vergleich zum dritten Quartal nur um 0,1 Prozent nach.

Hinzu kommt, dass die Gesamtproduktion im November höher war als ursprünglich gemeldet. Das Bundesamt revidierte den Anstieg der Fertigung von zunächst 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent nach oben. Generell kommt es bei den Produktionsdaten immer wieder zu starken Schwankungen.

Trotz der kalten Witterung im Januar blicken Experten gemeinhin positiv auf die konjunkturelle Entwicklung im ersten Quartal des laufenden Jahres. "Schon im Januar dürfte die Produktion wieder deutlich zugelegt haben", sagte Solveen./jkr/jsl/stb

(AWP)