Produktionsflaute in deutscher Industrie hält an

(Ausführliche Fassung) - Die Produktionsflaute in der deutschen Industrie setzt sich fort. Im Juli ging die Herstellung im verarbeitenden Gewerbe erneut zurück. Im Jahresvergleich war es sogar der neunte Rückgang in Folge. Bankvolkswirte zeigten sich konsterniert und erklärten die schwache Entwicklung unter anderem mit der schwachen Weltwirtschaft und den internationalen Handelskonflikten. Die Wahrscheinlichkeit für eine gesamtwirtschaftliche Rezession steige.
06.09.2019 09:13

Im Monatsvergleich fiel die Gesamtproduktion im Juli um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Es war der zweite Rückgang in Folge. Analysten hatten dagegen einen leichten Zuwachs erwartet. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Herstellung um 4,2 Prozent zurück. Weil die Produktion in dieser Betrachtung bereits seit einem Dreivierteljahr fällt, sprechen zahlreiche Analysten von einer Industrierezession.

"Die Industriekonjunktur bleibt schwach", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Im Juli gingen sowohl die Warenherstellung in der Industrie als auch die Energieproduktion zurück. Allein das Baugewerbe konnte seinen Ausstoss etwas steigern. Am Donnerstag hatte bereits der Auftragseingang der Industrie mit einer ebenfalls schwachen Entwicklung enttäuscht.

"Der Albtraum nimmt seinen Lauf", kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. "Die Handelskonflikte und der ungelöste Brexit-Prozess drücken die deutsche Wirtschaft an die Wand." Auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING Deutschland, äusserte sich pessimistisch. Er sprach von einem sehr schwachen Start in das dritte Quartal. "Der industrielle Absturz setzt sich fort."

Mit der fortgesetzten Industrieschwäche steigt die Wahrscheinlichkeit einer gesamtwirtschaftlichen Rezession. Bereits im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaftsleistung leicht geschrumpft. Auch im dritten Quartal dürfte ein leichtes Minus zu Buche stehen, erwartet Commerzbank-Experte Marco Wagner. Damit wären die Voraussetzungen für eine milde Rezession erfüllt.

Bestehende Forderungen nach konjunkturellen Gegenmassnahmen durch die Bundesregierung dürften in diesem Fall noch lauter werden. Die deutsche Wachstumsschwäche sei zudem ein Argument für die Europäische Zentralbank (EZB), ihre bereits sehr lockere Geldpolitik weiter zu lockern, meint ING-Experte Brzeski. Die Notenbank tagt in der kommenden Woche. Es werden eine weitere Zinssenkung und möglicherweise neue Wertpapierkäufe erwartet./bgf/mis

(AWP)