ProSiebenSat.1 wächst weiter digital - Terror bremst Reiseportale

(Ausführliche Fassung)
04.08.2016 12:09

MÜNCHEN (awp international) - ProSiebenSat.1 legt mit Reiseportalen und Onlineshopping weiter kräftig zu. Die Angst vor Terroranschlägen trübt aber die Reisefreude bei Kunden der konzerneigenen Urlaubsplattformen ein wenig. "In einigen Märkten sehen wir Buchungsrückgänge", sagte Konzernchef Thomas Ebeling am Donnerstag. "Ich denke, wir scheiden meistens besser ab als die Wettbewerber. Aber auch unser Reisegeschäft wird von diesen Ereignissen beeinflusst." Die Erwartungen von Analysten übertraf der Konzern dennoch mit seinen Zahlen. Am Mittag lag der Aktienkurs mit gut einem halben Prozent im Plus.

ProSiebenSat.1 erzielt zwar noch immer mit Abstand den meisten Umsatz mit Fernsehwerbung auf seinen zahlreichen Kanälen. Das grösste Wachstum bei Umsatz und Gewinn kommt aber aus dem Geschäft von Internetportalen wie weg.de, billiger-mietwagen.de oder der Vergleichsplattform Verivox.

Im ersten Quartal hatte der Umsatz in dem Bereich noch um satte 75 Prozent zugelegt. Im zweiten Quartal schwächte sich das kräftige Wachstum im Digitalgeschäft wieder etwas ab, legte aber noch immer um 43 Prozent auf 263 Millionen Euro zu. Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels erklärte dies auch mit Saisoneffekten. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern Verivox und der Reiseplattform Etraveli dazugekauft.

Dennoch übertraf der Medienkonzern bei wichtigen Kennzahlen die Prognosen von Analysten. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 886 Millionen Euro zu. Im Geschäft mit TV-Werbung erzielte der Konzern ein leichtes Wachstum. Der operative Konzerngewinn (bereinigtes Ebitda) wuchs um sieben Prozent auf 254 Millionen Euro. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 16 Prozent auf 136 Millionen Euro.

In den vergangenen Jahren war ProSiebenSat.1 auf einer regelrechten Einkaufstour und sieht sich weiter nach möglichen Übernahmezielen um. Vor allem mit Reiseportalen hatten sich die Münchner immer verstärkt. Derzeit stehen mehrere solcher Plattformen des insolventen Portalbetreibers Unister zum Verkauf.

Man habe immer die Pflicht, sich Möglichkeiten für Zukäufe anzuschauen, sagte ProSiebenSat.1-Chef Ebeling. "Das ist sicher etwas, das wir diskutieren." Aber das Geschäft könne auch gut ohne Teile von Unister weiterlaufen. Axel Springer , die unter anderem Portale für Ferienhäuser betreiben, haben in Sachen Unister bereits abgewinkt./fri/stw/fbr

(AWP)