Protest gegen Praxair-Fusion bei Linde

Bei einem Aktionstag bei Linde wollen Gewerkschaften und Betriebsräte am Donnerstag mit den Beschäftigten des Gasekonzerns gegen die Fusion mit dem US-Konzern Praxair protestieren. Sie befürchten einen Stellenabbau und die Aushöhlung der Mitbestimmung. Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will die Fusion möglichst noch vor der Hauptversammlung am 10. Mai über die Bühne bringen.
27.04.2017 06:32

Die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE und der europäische Betriebsrat von Linde haben die Beschäftigten an 31 Standorten zu dem Aktionstag aufgerufen. Die grösste Kundgebung soll vor der Linde-Zentrale nahe dem Münchner Marienplatz stattfinden. Dort wollen

der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler und mehrere Betriebsräte sprechen. Es werden mehrere hundert Teilnehmer erwartet, darunter auch Delegationen aus dem grössten Linde-Werk Pullach.

Keine Aktion ist bei Linde in Dresden geplant. Linde wollte den Standort mit rund 500 Mitarbeitern bereits schliessen, hat aber für den Fall einer Fusion mit Praxair eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für alle 8000 Mitarbeiter in Deutschland gegeben. Weltweit beschäftigt Linde knapp 60 000 Mitarbeiter.

Reitzle und Vorstandschef Aldo Belloni wollen Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum grössten Gasekonzern der Welt verschmelzen. Die Spitze des neuen Konzerns würde in den USA, die Holding in Dublin angesiedelt. Die Fusion soll nach den Plänen der Konzernvorstände jährlich eine Milliarde Euro an Synergien bringen.

Gewerkschaften und Betriebsrat befürchten aber den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen bei Linde in Deutschland und Europa, weil drei Viertel der Synergien zu Lasten der Beschäftigten hier gingen. Ausserdem würde die Mitbestimmung ausgehöhlt, weil die Holding in Dublin und die Konzernspitze in den USA angesiedelt würde.

Reitzle und Belloni möchten den Fusionsvertrag dem Aufsichtsrat möglichst rasch zur Entscheidung vorlegen. Eine bereits für den 3. Mai geplante Aufsichtsratssitzung wurde allerdings abgesagt.

Sollte die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat geschlossen gegen die Fusion stimmen - also einschliesslich der Stimme des Dresdner Betriebsratschefs Frank Sonntag -, würde Reitzle den Zusammenschluss mit seiner zweiten Stimme als Aufsichtsratschef durchsetzen, hatte er bereits angekündigt. Eine so gewaltige Veränderung gegen den geschlossenen Widerstand der Arbeitnehmerseite wäre aber in der deutschen Wirtschaft sehr ungewöhnlich. Doch Sonntag steckt in der Zwickmühle. Er war am Mittwoch in Pullach und wollte sich auf/rol/DP/zb

(AWP)