Räumung im Hambacher Forst geht weiter - RWE untersucht Cyber-Attacke

Im Braunkohlegebiet Hambacher Forst haben die Behörden die Räumung der Baumhäuser an einer symbolträchtigen Stelle fortgesetzt. Sie ordneten am Dienstag an, die Gedenkstätte für den in der vergangenen Woche ums Leben gekommenen 27-jährigen Journalisten zu entfernen. Mehrere Aktivisten brachten die Kerzen und Blumen daraufhin weg. Der Energiekonzern RWE untersuchte am Dienstag eine Cyber-Attacke, die die Internetseite des Energiekonzerns am Montag lahmgelegt hatte. Das Unternehmen habe Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, sagte ein RWE-Sprecher. Am Dienstagmorgen lief die Seite nach Auskunft des Sprechers wieder wie üblich.
25.09.2018 15:38

Bei einem Sturz aus rund zwei Metern Höhe verletzte sich am Dienstag ein Baumbesetzer leicht. "Er war wohl zu schnell eine Leiter hochgeklettert und dann abgerutscht. Von uns helfen lassen wollte er sich anschliessend nicht", sagte ein Polizeisprecher.

Die Räumung der Gedenkstätte für den tödlich verunglücken Journalisten lief ruhig und friedlich ab, wie ein dpa-Reporter berichtete. Eine kleine Gruppe von Aktivisten habe nach einer Schweigeminute die Kerzen ausgepustet und Blumen und Fotos in bereitgestellte Kisten gepackt. Die Polizei half ihnen dabei. Nach Abschluss der Arbeiten könne die Gedenkstätte wieder am Unglücksort aufgebaut werden, versprach die Polizei. Auf Twitter äusserten sich Vertreter von "Ende Gelände" zur Räumung der Gedenkstätte dennoch enttäuscht: "Wir sind sprachlos, fassungslos, wütend."

Der 27-Jährige war am vergangenen Mittwoch in dem von Aktivisten besetzt gehaltenen Waldgebiet zwischen Köln und Aachen durch die Bretter einer mindestens 15 Meter hohen Hängebrücke gebrochen, die zwischen zwei Baumhäusern gespannt war. Er starb noch am Unglücksort. Die Landesregierung hatte daraufhin die bis dahin laufende Räumung der Baumhütten im Wald vorübergehend gestoppt.

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE im Herbst weite Teile des Forstes roden und die Braunkohleförderung fortsetzen will. RWE hält die Rodung dagegen für unerlässlich, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Die Umweltschützer fordern einen Aufschub, bis die derzeit tagende Kohlekommission einen langfristigen Plan für den Kohleausstieg in Deutschland vorlegt.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) fordert den Bund auf, dem rheinischen Revier für den Fall eines vorzeitigen Kohleausstiegs zu helfen: "Ich sehe den Bund in der Pflicht, im Falle einer früheren Beendigung der Braunkohle die erforderlichen Mittel bereitzustellen", forderte Pinkwart in der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag). Braunkohle aus NRW sei seit Jahrzehnten eine wichtige Säule für die deutsche Wirtschaft. Anders als Steinkohle sei sie nie subventioniert worden. "Jetzt darf Deutschland das Rheinische Revier nicht hängen lassen", sagte der NRW-Minister./lic/DP/tos

(AWP)