Raiffeisen schreibt weniger Gewinn - Hoher Abschreiber auf Leonteq

(Ergänzt um mehr Details) - Raiffeisen hat 2016 nach einem Rekordergebnis im Vorjahr weniger Gewinn erzielt. Dabei belastet nicht unerheblich eine Wertberichtung auf der Beteiligung an Leonteq nach dem massiven Rückgang der Börsenbewertung. Alle Ertragspositionen bei Raiffeisen verzeichneten jedoch Wachstum. Mit Blick auf das laufende Jahr spricht die Bankengruppe von Margendruck und zunehmendem Wettbewerb.
24.02.2017 08:35

Die Raiffeisen Gruppe habe trotz Sondereffekten den dritthöchsten Gewinn ihrer Geschichte erwirtschaftet, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. Von "ausgezeichnete Leistungen" in einem wirtschaftlich herausfordernden Marktumfeld ist die Rede.

Der Gesamtertrag stieg um 2,7% auf 3,10 Mrd CHF, wobei der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft um 2,0% auf 2,22 Mrd zulegte. Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft trug mit einem Plus von 0,9% auf 466,8 Mio CHF bei, der Handelserfolg mit +8,9% auf 227,9 Mio sowie der übrige Erfolg mit +9,5% auf 183,1 Mio CHF.

AUSSERORDENTLICHER ERTRAG AUS VESCORE-VERKAUF

Allerdings stieg der Geschäftsaufwand um 4,9% auf 1,98 Mrd CHF. Es wurde sowohl in die Informatik- als auch physische Infrastruktur investiert. Darüber hinaus belasteten höhere regulatorische Kosten sowie eine Wertberichtigung auf der Leonteq-Beteiligung in der Höhe von 69 Mio CHF.

Der auf strukturierte Produkte spezialisierte Finanzdienstleister, an dem Raiffeisen mit rund 30% beteiligt ist, hat ein schwieriges Jahr hinter sich und rutschte im zweiten Halbjahr gar in die roten Zahlen ab. Auch ins neue Jahr ist der einstige Börsen-Überflieger schwach gestartet. Die Leonteq-Aktie brach 2016 um mehr als Dreiviertel ein, im laufenden Jahr steht sie aktuell 18% im Minus.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf des Asset Managers Vescore an Vontobel ergab sich bei Raiffeisen dagegen ein ausserordentlicher Ertrag von 64 Mio CHF. In der Folge sank der Geschäftserfolg im Berichtsjahr um 9,4% auf 854,7 Mio CHF. Unter dem Strich verblieb ein Gruppengewinn von 754,1 Mio CHF (-6,6%).

MARKTANTEIL IM HYPOTHEKARGESCHÄFT STEIGT

Das Bilanzgeschäft habe sich erfreulich entwickelt, heisst es. Sowohl die Hypothekarforderungen als auch die Kundeneinlagen seien deutlich und über dem Markt gewachsen. Mit einem Zuwachs der Hypothekarforderungen von 4,3% auf 165,4 Mrd CHF halte Raiffeisen nun einen Marktanteil von 17,2% des hiesigen Marktes nach 16,9% im Vorjahr. Die Verluste aus dem Kreditgeschäft betrugen 15,9 Mio CHF und machten somit 0,01% der Kundenausleihungen aus.

Die Kundeneinlagen stiegen zudem um 5,3% auf 158,3 Mrd CHF. Dabei habe sich der anhaltende Kundengeldzufluss von 5,3% (VJ +6,2%) gleichermassen auf alle Regionen der Schweiz erstreckt.

Die verwalteten Kundenvermögen (AuM) gaben hingegen um 2,9% auf 202,8 Mrd CHF ab. Obwohl im vergangenen Jahr ein Netto-Neugeldzufluss von 8,0 Mrd CHF verzeichnet worden sei, habe dieser nicht ausgereicht, um den Rückgang von 14,0 Mrd CHF aus dem Verkauf von Vescore zu kompensieren, so Raiffeisen.

"HERVORRAGENDE" KAPITALISIERUNG

Mit Blick auf die Kapitalisierung spricht die Bankengruppe von einer "hervorragenden" Qualität. Während die Gone-Concern-Anforderungen (Kapitalanforderungen für den Sanierungs- und Liquidationsfall) noch nicht bekannt seien, würden die bestehenden Going-Concern-Anforderungen (für den Fortführungsfall) von 14,4% übertroffen. Denn die CET1-Quote habe per Ende 2016 15,3% betragen und die Gesamtkapitalquote 17,0%. Auch die Leverage Ratio überbiete die Vorgabe von 4,625% mit 6,84% deutlich. Raiffeisen zählt in der Schweiz zu den systemrelevanten Banken und fällt daher unter die "Too-big-to-fail"-Bestimmungen.

Zwei Ereignisse hätten das Geschäftsjahr 2016 besonders geprägt: der Verkauf von Vescore an Vontobel sowie der Abschluss im US-Steuerstreit, heisst es weiter. Zudem sei es auch das Jahr der Reorganisation von Notenstein La Roche gewesen. Die Privatbankentochter habe zwar den Geschäftsertrag auf 176,5 Mio CHF leicht gesteigert nach 172,0 Mio im Vorjahr und einen Gewinn von 17,6 Mio CHF zum Gruppenergebnis beigesteuert. Insgesamt blieb sie aber hinter den Erwartungen zurück.

NOTENSTEIN LA ROCHE ERNEUT HINTER DEN ERWARTUNGEN

Der eingeleitete Wandel gehe weiter: Dienstleistungen der Privatbank und jene von Raiffeisen sollen künftig noch besser aufeinander abgestimmt werden.

Vorsichtig zeigt sich Gruppe für das laufende Jahr: Auf finanzieller Ebene werde das Geschäftsjahr 2017 herausfordernd, heisst es. Trotz der anhaltend anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechne man dennoch mit einem leicht höheren Ertragswachstum und einem höheren operativen Ergebnis.

2017 stehe zudem im Zeichen der Einführung eines neuen Kernbankensystems bei den Raiffeisenbanken, Raiffeisen Schweiz und Notenstein La Roche.

ys/gab

(AWP)