Raiffeisen verdient im ersten Halbjahr weniger - Vorsichtiger Ausblick

(Ergänzt mit weiteren Details)
10.08.2016 10:00

St. Gallen (awp) - Raiffeisen hat im ersten Halbjahr 2016 das Geschäftsvolumen zwar weiter gesteigert, aber unter dem Strich weniger verdient. Gründe dafür sind tiefere Erträge im Handelsgeschäft, deutlich höhere Aufwendungen u.a. aufgrund von Investitionen sowie höhere Wertberichtigungen auf den Beteiligungen. Für den weiteren Jahresverlauf bleibt die Banken-Gruppe vorsichtig und erwartet eine weiter sinkende Zinsmarge.

Der Geschäftserfolg sank von Januar bis Juni 2016 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 7,7% auf 464 Mio CHF und der Reingewinn um 7,1% auf 367 Mio CHF, wie die Bankengruppe am Mittwoch mitteilte.

Derweil stiegen die gesamten Geschäftserträge um 1,0% auf 1,52 Mrd CHF. Raiffeisen erzielte etwa im wichtigsten Geschäftspfeiler, dem Zinsengeschäft, ein Plus von 1,5% auf 1,11 Mrd CHF. Die im Vorjahresvergleich stark erhöhten Absicherungskosten hätten durch das Wachstum "problemlos aufgefangen" werden können, heisst es dazu.

HOHE WERTBERICHTIGUNGEN

Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft habe zudem an den Erfolg im Vorjahr angeknüpft. Es legte den Angaben zufolge um 3,1% auf 240,7 Mio CHF zu. Beim Handelsgeschäft (-13% auf 93,5 Mio CHF) und bei der Bewertung von Finanzanlagen mussten "aufgrund der ungünstigen Marktsituation" dagegen Einbussen hingenommen werden.

So wurde etwa der Posten "Wertberichtigungen auf Beteiligungen etc." mit -98 Mio CHF ausgewiesen nach -89 Mio CHF im Jahr davor. Vor allem der Kursrückgang der Aktien des Finanzdienstleisters Leonteq, an dem Raiffeisen rund 30% hält, dürfte dafür mitverantwortlich sein. Noch keine Auswirkungen auf das Ergebnis hatte hingegen der Verkauf der Asset Management Tochter Vescore an Vontobel, der erst im (laufenden) dritten Quartal vollzogen werden soll.

Auf der Aufwandseite kam es zu einem Anstieg von 5,4% auf 962 Mio CHF. Die Gruppe spricht hier von der Umsetzung strategischer Initiativen wie Entwicklungsarbeiten am zukünftigen Kernbankensystem und Ausbau der digitalen Kanäle bzw. der Einführung der Online-Hypothek und einer Mobile-Payment-Lösung. Unter anderem aufgrund der Übernahme der Bank La Roche stieg auch der Personalbestand um 0,3% auf 9'315 Vollzeitstellen. Dies führte insgesamt zu einem "vorübergehenden Anstieg" der Cost-Income-Ratio auf 63,2%.

Die 270 Genossenschaftsbanken und sechs Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz haben sich als "besonders robust" erwiesen, wie es heisst. Sie hätten im Marktvergleich hohe Zuwachsraten im Hypothekargeschäft (+2,2% auf 162,0 Mrd CHF) und bei den Kundeneinlagen (+2,6% auf 154,2 Mrd) erzielt. Insbesondere in den Städten und Agglomerationen, Gebiete in denen Raiffeisen traditionell nicht so stark verwurzelt ist, habe man die Wachstumsziele im Zinsengeschäft übertroffen. Die Wertberichtigungen auf Ausfallrisiken blieben mit 0,1% im Verhältnis zur Höhe der Ausleihungen derweil auf einem sehr tiefen Stand.

Weiterhin harzig läuft das Geschäft derweil im Private Banking. Die Zusammenführung mit der Bank La Roche habe sich zwar positiv auf den Zwischenabschluss ausgewirkt, heisst es. So erhöhte sich der Kommissionsertrag im Vergleich zum Vorjahr um 24%, während der Aufwand nur um 5% stieg. Aufgrund von Goodwill-Abschreibungen sank der Reingewinn allerdings auf 8,3 Mio CHF und die Cost-Income-Ratio ist mit 83% weiterhin sehr hoch.

Zufrieden zeigt sich Raiffeisen mit der Kapitalsituation. Die neuen Anforderungen (gemäss TBTG-Gesetz) würden per Mitte 2016 bereits erfüllt, mit einer risikogewichteten Kapitalquote von 16,1% (Anforderung: 14,4%) sowie einer Leverage Ratio von 6,7% (4,625%), heisst es dazu.

DRUCK AUF ZINSMARGE BLEIBT BESTEHEN

Für den weiteren Jahresverlauf gibt sich die Gruppe hingegen vorsichtig. Raiffeisen geht davon aus, dass das Langfristzinsniveau nochmals sinken und sich damit der Druck auf die Zinsmarge weiter verschärfen könnte. Ebenfalls sei zu erwarten, dass die Volatilität an den Finanzmärkten anhält, mit potenziell negativen Effekten auf das Kommissions- und Handelsgeschäft.

Auf der Kostenseite sei aufgrund der laufenden Entwicklung am neuen Kernbankensystem keine Entlastung zu erwarten. Raiffeisen geht entsprechend nicht davon aus, das Rekordergebnis des Vorjahres wiederholen zu können. Im Kerngeschäft sei aber weiterhin mit einer "guten Volumenentwicklung und einer positiven Entwicklung der Ertragslage" zu rechnen.

uh/cf

(AWP)