Regionalbank Linth schliesst sich Apple Pay an

(Zusammenfassung)
18.10.2016 13:16

Uznach (awp) - Die zur Liechtensteinischen Landesbank gehörende Regionalbank Linth schliesst sich der mobilen Zahllösung Apple Pay an. Damit steigt der Druck auf das Schweizer Konkurrenzprodukt Twint, das im Januar an den Start gehen will. Noch zögern aber viele Kunden, beim Bezahlen das Handy zu zücken.

Die Zahlen, die der Kreditkartenherausgeber Bonuscard jüngst veröffentlicht hat, zeigen: 100 Tage nach dem Start von Apple Pay in der Schweiz ist der Dienst noch nicht im Alltag angekommen.

WACHSTUM AUF TIEFEM NIVEAU

Hierzulande zahlen erst ein paar tausend Bonuscard-Kunden regelmässig mit dem Smartphone. Zwei Drittel aller mobilen Zahlungen erfolgen in Lebensmittelgeschäften. Knapp ein Viertel der Transaktionen werden in Restaurants getätigt.

Bonuscard, die wie auch Cornèrcard der Bank Cornèr angeschlossen ist, zählt nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Kunden. Lediglich rund ein Prozent davon greift bis anhin beim Bezahlen zum Handy.

Die Tendenz ist allerdings klar steigend. Jede Woche nimmt die Zahl der Registrierungen von Bonuscard-Kunden bei Apple Pay um durchschnittlich 14% zu.

Von den Prepaid-Kartenanbietern Swissbankers und Valora liegen noch keine Schätzungen vor, die Verbreitung dürfte sich aber in ähnlichem Rahmen bewegen.

GROSSBANKEN SETZEN AUF TWINT

Auf Bankenseite setzte bis anhin neben der Bank Cornèr erst die Graubündner Kantonalbank auf Apple Pay. Am Dienstag kam mit der Bank Linth nun ein weiteres Institut dazu. Während Kunden der Graubündner Kantonalbank via der Prepaid-Mastercard von Swissbankers Zugang zu Apple Pay erhalten, baut die Bank Linth auf ihre langjährige Partnerschaft mit Cornèrcard.

Die fünf grössten Schweizer Banken hingegen wollen von Apple Pay vorerst nichts wissen und setzen stattdessen auf das Gemeinschaftsprodukt Twint.

Im Mai hiess es, die neue Twint-App solle im Herbst an den Start gehen. Im September sprach Twint-Chef Thierry Kneissler dann von Mitte Januar als realistischem Roll-Out-Termin. Offenbar ist die Zusammenlegung der heute noch einzeln am Markt auftretenden Systeme Twint und Paymit technisch komplexer als zunächst gedacht.

DAS RENNEN IST OFFEN

Ob sich Twint neben Apple Pay als nationaler Standard wird etablieren können, ist derzeit offen. Für Twint spricht die breite Trägerschaft. Neben den grossen Bankinstituten UBS, Credit Suisse, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und Postfinance sind auch die Detailhandelsriesen Migros und Coop, die Telekomanbieterin Swisscom sowie als Acquirer die Finanzdienstleisterin SIX mit an Bord.

Die Nutzung von Twint ist zudem nicht nur auf Apple-Produkte beschränkt, die App funktioniert unabhängig vom Betriebssystem. Und während Apple Pay als klassische Kreditkartentransaktion funktioniert, geht Twint im Anwendungsbereich deutlich weiter. Pilotversuche mit der Integration von Kundenkarten, Rabattangeboten und Abholservices laufen bereits.

STREIT UM TECHNOLOGIE

Zum Stolperstein könnte für Twint aber die Verbindungstechnologie werden. Apple verweigert anderen App-Entwicklern bis anhin den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle auf seinen Geräten. Nur Apple Pay wird die Kommunikation via Near Field Communication (NFC) erlaubt.

Dabei wäre der internationale NFC-Standard die schnellste und einfachste Technologie. Sie wird an den Zahlterminals bereits für das kontaktlose Zahlen mit Kreditkarten verwendet. Twint dagegen muss bis auf weiteres auf die weniger verbreitete Bluetooth-Technologie oder QR-Codes ausweichen.

Auch die Tatsache, dass die Schweiz ein eigentliches iPhone-Land ist, spielt Apple in die Hände. Jedes zweite Smartphone hierzulande stammt vom Unternehmen aus Cupertino. Und international hat der IT-Gigant ohnehin die Nase vorn. Neben den USA, Grossbritannien und der Schweiz ist der Dienst inzwischen auch in Frankreich und Hong Kong verfügbar. Weitere Länder sollen bald folgen, darunter Japan.

Bei Twint dagegen bestehen noch keine konkreten Expansionspläne ins Ausland. Immerhin: Das Unternehmen hat vorsorglich schon mal die Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde eingeholt.

sta/yr

(AWP)