Reisekonzern Tui trotzt Hitze und Last-Minute-Preiskampf

(Ausführliche Fassung) - Der weltgrösste Reisekonzern Tui hat dem heissen Sommer und dem Preiskampf im Last-Minute-Geschäft getrotzt. Obwohl viele Mittel- und Nordeuropäer die sonnigen Monate diesmal zu Hause statt am Strand verbrachten, zählte Tui vier Prozent mehr Gäste als ein Jahr zuvor. Und während der wichtigste Rivale Thomas Cook (Neckermann Reisen) sein Gewinnziel am Montag zusammenstreichen musste, hielt Tui-Chef Fritz Joussen an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2017/18 am Donnerstag fest.
27.09.2018 11:27

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an. Mit einem Kursplus von 2,08 Prozent war die Tui-Aktie an der Londoner Börse am Vormittag Spitzenreiter im Leitindex FTSE 100 . Seit Jahresbeginn hat sie aber immer noch rund fünf Prozent an Wert verloren.

Angesichts der Buchungszahlen für die wichtigste Reisezeit des Jahres zeigte sich Joussen in seiner Strategie bestätigt. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September zu Ende geht, soll der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebita) abseits von Währungsschwankungen daher wie geplant um mindestens zehn Prozent steigen. Im vorigen Geschäftsjahr hatte Tui ein bereinigtes Ebita von 1,1 Milliarden Euro erzielt.

Dass viele Europäer den ungewöhnlich heissen Sommer zu Hause verbrachten, ging aber auch an Tui nicht spurlos vorüber. So sei es unwahrscheinlicher geworden, dass der Konzern seine Gewinnprognose diesmal übertreffe, bestätigte Joussen seine Einschätzung von Anfang August.

Denn das extrem heisse Wetter hatte die Nachfrage nach Urlaubsreisen in diesem Sommer gedämpft. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften versuchten daher, Kunden mit Preissenkungen doch noch in die Ferne zu locken - und die von ihnen schon eingekauften Hotelzimmer und Flugtickets loszuschlagen. Dies drückte auf die Gewinnspannen. Bei Tui gaben die Urlauber für Pauschalreisen im Sommer daher im Schnitt nur rund ein Prozent mehr aus als im Vorjahr.

Dennoch lief es bei Tui deutlich besser als bei Thomas Cook. Das britische Unternehmen, das in Deutschland vor allem mit seiner Marke Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor präsent ist, musste seine Gewinnerwartungen in diesem Sommer gleich zweimal kappen. Am Montag räumte Konzernchef Peter Fankhauser ein, dass der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) im ablaufenden Geschäftsjahr mit 280 Millionen britischen Pfund (314 Mio Euro) rund 50 Millionen Pfund niedriger ausfallen dürfte als im Vorjahr. Zugleich nahm Finanzchef Bill Scott nach erst wenigen Monaten seinen Hut.

Der Sommer ist für Reiseveranstalter die wichtigste Zeit des Jahres. In den warmen Monaten fahren sie in der Regel ihre Gewinne ein - und müssen damit ihre Verluste aus den reiseschwachen Wintermonaten ausgleichen.

Dem endgültigen Ausstieg der Briten aus der EU sieht der Tui-Konzern inzwischen gelassen entgegen. "Der Grossteil des Brexit hat bei uns schon stattgefunden", sagte Joussen am Mittwochabend vor Journalisten in Stuttgart. Der Kursverfall des britischen Pfunds gegenüber dem Euro, der bereits nach dem Referendum Mitte 2016 begann, habe zu einem Kostenanstieg von 20 Prozent und neun Prozent höheren Preisen in England geführt. Entsprechend schrumpften die Gewinnspannen des Veranstalters.

Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit dem Brexit ist für den Reisekonzern die zu den Flugrechten. Zu Tui gehören verschiedene Fluggesellschaften wie Tuifly und die britische Tui Airways. Insgesamt verfügt der Konzern nach den Worten von Joussen über 150 Maschinen. "Die Frage ist eben, wie halten wir unsere Flugrechte", sagte Joussen. So ist Tui zwar eine deutsche Aktiengesellschaft, die Mehrheit der Aktien gehört aber derzeit britischen Investoren und dem Russen Alexej Mordaschow.

Das könnte nach derzeitigem Stand nach einem Brexit ein Problem darstellen. Denn nach einem EU-Austritt Grossbritanniens befänden sich die Tui-Fluggesellschaften dadurch nicht mehr mehrheitlich im Besitz von EU-Aktionären. Damit könnten die Start- und Landerechte der Airlines in Gefahr geraten. Wie die künftige Regelungen zwischen der EU und Grossbritannien aussehen, ist allerdings noch völlig offen. Daher bereitet sich Tui auf verschiedene Szenarien vor. Die Belastungen für diese Notfallpläne hielten sich aber in Grenzen, sagte Joussen./stw/ang/bek/tav

(AWP)