Rekordzahl von freien Stellen - Experten: Im Januar viele Jobsucher

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich - gemessen am Stellenangebot - gegenüber weltpolitischen Unsicherheiten weiter krisenresistent. Derzeit suchten deutsche Betriebe so viele Arbeitskräfte wie nie zuvor, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag unter Berufung auf ihren jüngsten Stellenindex BA-X. Der Frühindikator für die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt stieg im Januar um einen Punkt auf das Allzeithoch von 228 Zählern. Das seien 18 Punkte mehr als vor einem Jahr.
30.01.2017 14:28

Freie Jobs gibt es nach Erkenntnissen der Nürnberger Bundesbehörde fast in jeder Branche. Am stärksten sei die Arbeitskräftenachfrage aber bei unternehmensnahen Dienstleistungen gestiegen; dazu gehören unter anderem Werbeagenturen, Unternehmensberater, Steuerberater und freiberufliche Techniker. Daneben gebe es freie Stellen in der Industrie, dem Handel und dem Baugewerbe. Auch Zeitarbeitsunternehmen hatten zuletzt mehr freie Stellen zu besetzen als vor einem Jahr.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag bekanntgeben - und erst dann die absolute Zahl der freien Stellen nennen. Von dpa befragt Volkswirte und Konjunkturforscher gehen derweil von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar aus - allerdings ausschliesslich aus saisonalen Gründen. Mit 2,828 Millionen habe die Zahl der Erwerbslosen zum Jahresbeginn 2017 um rund 260 000 über dem Niveau von Dezember 2016 gelegen. Das wären dennoch gut 90 000 weniger als vor einem Jahr.

Ohne den im Januar besonders stark ausgeprägten Saisoneffekt wäre die Arbeitslosigkeit nach Einschätzung der meisten Konjunkturexperten leicht zurückgegangen. Dies zeige, dass Trump- und Brexit-Effekte derzeit kaum auf dem Arbeitsmarkt spürbar seien, betonen die Fachleute. Auch in den kommenden Monaten werde die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt zunächst weiter leicht sinken, im weiteren Jahresverlauf stagnieren oder sogar leicht ansteigen. Bis dahin dürften verstärkt Flüchtlinge eine Stelle suchen.

Dennoch führt die anhaltende Ungewissheit über den künftigen Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump nach Beobachtungen der Konjunkturexperten bereits zu einer spürbaren Verunsicherung deutscher Unternehmen. Viele Firmenchefs stellten sich derzeit die Frage, welche der Ankündigungen Trumps die US-Regierung am Ende umsetzen werde, berichtet etwa der Deutsche Bank -Volkswirt Heiko Peters in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Aber auch der Brexit und ein drohender Wahlsieg von Rechtspopulisten in einigen Ländern Europas stellten für die deutsche Wirtschaft "politische Unsicherheiten" dar, die in der zweiten Jahreshälfte zu einer Abkühlung der deutschen Konjunktur führen könnten, glaubt Peters. "Denn wenn die Unsicherheit hoch ist, wird das Investitionsumfeld gedämpft. Vor allem bei Ausrüstungs-Investitionen rechnen wir mit einer anhaltend schwächeren Entwicklung." Stefan Kipar von der BayernLB sieht das ganz ähnlich./kts/DP/stb

(AWP)