Restaurantkette Vapiano geht an die Börse

(Ausführliche Fassung) - Die Restaurantkette Vapiano zieht es 15 Jahre nach der Gründung an die Börse. Noch im laufenden Jahr soll es soweit sein. Das Volumen des Börsengangs dürfte im dreistelligen Millionenbereich liegen. Das eingenommene Geld will Vapiano ins Wachstum stecken und die Zahl der Restaurants binnen vier Jahren fast verdoppeln. Vor allem im europäischen Ausland will die Kette zulegen. "Vapiano wird in Zukunft noch internationaler", sagte Firmenchef Jochen Halfmann am Mittwoch in einer Telefonkonferenz zur Ankündigung der Pläne.
31.05.2017 12:06

Vapiano ist vor allem für seine italienischen Nudel- und Pizzagerichte bekannt. Bestellt wird meist direkt an der Theke; die Kunden können dem Koch dann bei der Zubereitung zusehen. "Fast Casual Dining" heisst das in der Branche - ein Mittelding zwischen Fast-Food-Tempeln wie McDonald's und klassischen Restaurants mit Bedienung am Platz. Firmenchef Halfmann prophezeit, dass dieses Marktsegment deutlich zulegen wird.

Beliebt sind die Vapiano-Restaurants vor allem bei Berufstätigen für die Mittagspause und bei jungen Leuten. Einen Rückschlag musste das Unternehmen Ende 2015 hinnehmen nach Vorwürfen von Mitarbeitern, es sei gammelige Ware verkauft worden. Das Unternehmen habe sich in den letzten Monaten ausführlich mit dem Thema beschäftigt, sagt Halfmann ohne in die Details zu gehen. Das Thema gehöre nun der Vergangenheit an.

Vapiano war 2002 in Hamburg gegründet worden und umfasst mittlerweile 185 Restaurants in 31 Ländern rund um den Globus. Einen Teil der Restaurants betreibt Vapiano selbst, einen Teil zusammen mit Partnern und wieder andere liegen bei Franchise-Nehmern.

Wichtigster Einzelmarkt ist Deutschland, wo Vapiano etwa die Hälfte seines Geschäfts macht. Doch die Bedeutung insbesondere des europäischen Auslands nimmt zu. Vor allem in Österreich, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Frankreich hat sich Vapiano vorgenommen, kräftig zu wachsen. Wichtigste Märkte in Übersee sind China und die USA. So gibt es einen Vapiano in der Nähe des bekannten Union Square in New York City.

Bis Ende 2020 soll sich die Zahl der Restaurants beinahe verdoppeln auf 330, alleine in diesem Jahr sollen etwa 20 neue Läden hinzukommen. "Wir sind davon überzeugt, dass der Zugang zum Kapitalmarkt der richtige Schritt ist, um unsere Wachstumspläne zu unterstützen", sagte Firmenchef Halfmann.

Von 2014 bis 2016 war der Umsatz von 152 Millionen auf knapp 249 Millionen Euro gewachsen. Das gelang Vapiano auch durch Zukäufe. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag zuletzt bei 28,6 Millionen Euro.

Vapiano selbst will durch die Ausgabe neuer Aktien etwa 85 Millionen beim Börsengang einsammeln. Darüber hinaus werden sich die Alteigentümer von einem Teil ihrer Aktien trennen. Das Gesamtvolumen stehe noch nicht fest, sagte Halfmann. Er versicherte aber, kein Alteigentümer werde komplett aussteigen: "Alle Gesellschafter werden dem Unternehmen weiter eng verbunden sein."

Haupteigentümer ist der mit dem Kaffeeröster Tchibo reich gewordene Günter Herz; seine Vermögensverwaltung Mayfair hält 44 Prozent an Vapiano. 30 Prozent liegen beim Firmengründer Gregor Gerlach. Die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander halten 25 Prozent. Der Rest der Anteile liegt beim Management.

Die Notierung werde voraussichtlich noch in diesem Jahr erfolgen, erklärte Vapiano am Sitz in Bonn. Angestrebt wird der Einzug in den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse, den sogenannten Prime Standard. Das eröffnet Vapiano später grundsätzlich auch die Aufnahme in einen Index der Dax-Familie./das/she/stb

(AWP)