Rewe macht Fortschritte bei geplanter Coop-Übernahme

(Ausführliche Fassung)
25.07.2016 17:06

BONN/KÖLN (awp international) - Während Edekas Pläne zur Fusion mit Kaiser's Tengelmann zu Scheitern drohen, macht Konkurrent Rewe deutliche Fortschritte bei der Übernahme von rund 200 Sky-Supermärkte von Coop. Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken gegen diesen Zusammenschluss könnten wohl ausgeräumt werden, signalisierte am Montag das Bundeskartellamt. Und ein Rewe-Sprecher betonte, das Unternehmen halte eine Lösung "für kurzfristig realisierbar".

Rewe plant, die rund 200 Sky-Supermärkte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Hamburg zu übernehmen. Es gibt hierzu zwar Bedenken: So geht das Bundeskartellamt nach einem am Montag an die Beteiligten verschickten Entscheidungsentwurf davon aus, dass die Übernahme von Coop durch Rewe ohne Gegenmassnahmen in acht regionalen Märkten und zwei Hamburger Stadtbezirken zu einer Behinderung des Wettbewerbs führen würde.

Jedoch betonte Kartellamtspräsident Andreas Mundt, Rewe und Coop hätten zur Beseitigung der Wettbewerbsprobleme bereits Angebote zum Verkauf von Standorten an andere Unternehmen angekündigt, "die die wettbewerbsrechtlichen Probleme voraussichtlich beseitigen können".

Bei der Einkaufsmacht sehen die Wettbewerbshüter durch den Zusammenschluss ohnehin keine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs. Rewe und Coop seien bereits seit fast zehn Jahren in einer Einkaufskooperation verbunden, über die Coop bis zu 70 Prozent seiner Waren beschaffe. Als unabhängiger Wettbewerber spiele Coop deshalb in diesem Bereich schon lange keine bedeutende Rolle mehr.

Coop sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt, "dass es zu einer Genehmigung mit geringen Auflagen kommen wird". Die Umsatzeinbussen durch Geschäftsabgabe würden sich im einstelligen Prozentbereich bewegen, hiess es.

Das Kartellamt betonte, es habe im Fusionsfall Rewe/Coop inhaltlich die gleiche Prüfung vorgenommen wie im Fusionsfall Edeka/Tengelmann. Bei Edeka und Tengelmann hatte die Wettbewerbsbehörde allerdings am Ende die Fusion untersagt. Die Forderung der Wettbewerbshüter, grosse Teile des Kaiser's Tengelmann-Filialnetzes an Dritte zu verkaufen, hatten Edeka und Tengelmann damals abgelehnt.

Stattdessen hatten sie eine Ausnahmegenehmigung des Bundeswirtschaftsministers beantragt. Die von Sigmar Gabriel (SPD) daraufhin im März erteilte Ministererlaubnis war allerdings vor zwei Wochen vom Oberlandesgericht Düsseldorf vorläufig gestoppt worden.

Die Verfahrensbeteiligten - darunter auch Edeka und Tengelmann - haben nun bis zum 16. August Zeit für eine Stellungnahme. Ein Edeka-Sprecher wollte die Entwicklung bei Rewe und Coop auf Anfrage nicht kommentieren./rea/DP/men

(AWP)