Rheinmetall zieht Panzerauftrag in Australien an Land - Aktie legt zu

(Ausführliche Fassung) - Der Rheinmetall-Konzern hat sich einen der grössten Rüstungsaufträge in der jüngeren Unternehmensgeschichte gesichert. Die australische Regierung, die derzeit ihre Streitkräfte umfassend modernisiert, entschied sich nach einem mehrjährigen Auswahlverfahren für die Deutschen. Sie sollen nun 211 Radspähpanzer des Typs "Boxer CRV" auf den fünften Kontinent liefern, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.
14.03.2018 12:06

Mit dem Zuschlag der australischen Regierung setzte sich Rheinmetall gegen den britischen Konkurrenten BAE Systems durch, der sich ebenfalls um die Ausschreibung beworben hatte. Die Order selbst ist hoch dotiert. Der geschätzte Auftragswert für den deutschen Konzern liegt bei rund 3,15 Milliarden australischen Dollar - umgerechnet etwa 2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Rheinmetall-Konzern, zu dem auch das Autozulieferergeschäft gehört, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 6 Milliarden Euro.

Die Investoren an der Börse triumphierten. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie kletterte am Morgen zeitweise um mehr als 4 Prozent. Zuletzt betrug das Plus noch 2,57 Prozent auf 107,70 Euro. Damit war das Papier eines der Favoriten im Mittelwerteindex MDax .

Die Nachricht aus Australien stütze ganz klar die Stimmung für die Aktie, nachdem das Schlussquartal des Konzerns wegen der sich hinziehenden Regierungsbildung in Deutschland von verzögerten Exportentscheidungen überschattet gewesen sei und unter Investoren für Unsicherheit gesorgt habe, schrieb Analyst Sebastian Growe von der Commerzbank

Rheinmetall zufolge empfahl der Nationale Sicherheitsrat in Australien, exklusive Endverhandlungen über die Beschaffung des Radspähpanzers zu beginnen. Seine Regierung habe ein umfassendes und sehr strenges Testverfahren durchgeführt, in dem sich der Boxer als das am meisten geeignete Fahrzeug für die Streitkräfte des Landes erwiesen habe, sagte Australiens Premier Malcolm Turnbull in einer am Mittwoch verbreiteten Stellungnahme.

Australien steckt derzeit Milliarden in die technische Aufrüstung seiner Armee. Die bestellten Panzer werden mit einem von Rheinmetall entwickelten modernen Turmsystem geliefert. Das gesamte Auftrag wird voraussichtlich bis 2026 abgearbeitet sein, die ersten Fahrzeuge sollen bereits ab dem kommenden Jahr geliefert werden.

Für Rheinmetall ist der jetzige Auftrag für den Boxer nicht der erste. Neben den deutschen Streitkräften ist das Fahrzeug auch in den Niederlanden und in Litauen im Einsatz. Aus Australien hatte Rheinmetall bereits 2013 einen Grossauftrag über 2500 Militär-Laster an Land gezogen.

Vor zwei Jahren war ein anderer deutscher Konzern bei den Australiern hingegen abgeblitzt: Der Industriekonzern Thyssenkrupp hatte auf einen gigantischen US-Boot-Auftrag in Dow Under gehofft, zog aber den Kürzeren. Am Ende unterzeichnete die französische Firma DCNS./tav/stw/jha/

(AWP)