Richemont-Aktien fallen nach Zwischenbericht Gewinnmitnahmen zum Opfer

Die Aktien des Luxusgüterkonzerns Richemont geben am Mittwoch im frühen Geschäft gegen den knapp gehaltenen Gesamttrend deutlich nach. Zwar lagen die im Rahmen des Zwischenberichts vorgelegten Kennzahlen über den Erwartungen der Analysten, nach dem guten Lauf der Papiere schreiten die Marktteilnehmer aber nun zu Gewinnmitnahmen, wie Händler erklären.
13.09.2017 09:42

Bis um 09.30 Uhr geben Richemont um 1,4% auf 87,70 CHF nach. Die Valoren von Swatch (-1,8%) geraten dabei in Sippenhaft. Der Gesamtmarkt (SMI) steht zum Berichtszeitpunkt 0,18% tiefer.

Die Reaktionen der Analysten fallen allesamt mehrheitlich positiv aus, übertrifft doch das Umsatzwachstum die Erwartungen sowohl in der Bilanzwährung Euro als auch in Lokalwährungen. Unter Ausklammerung der Lagerbereinigungen aus dem Vorjahr resultiere in Lokalwährungen immerhin noch ein Plus von 7%.

Als stark wird vor allem der Umsatzbeitrag aus dem hochmargigen Schmuckgeschäft bezeichnet. Mit einem Umsatzwachstum von 17% in Lokalwährungen wuchs dieses Produktsegment deutlich stärker als gedacht. Doch auch das Uhrengeschäft werde den Erwartungen mehr als gerecht, so das Fazit. Vor allem bei den Uhren der Marke Cartier dürfte es zu einer starken Erholung gekommen sein, denken Experten.

Auch geographisch betrachtet berge der Zwischenbericht keine grösseren Überraschungen. Während die Absatzentwicklung in Europa enttäuscht, fällt das Wachstum in den Regionen Asien/Pazifik und Japan sehr stark aus. In Nord- und Südamerika sowie im Mittleren Osten und in Afrika deckt sich die Absatzentwicklung hingegen mit den Erwartungen. In Europa machte Richemont den negativen Effekt des starken Euros auf die Touristenströme geltend.

Im hiesigen Handel wird auf die starke Kursentwicklung der Aktien von Richemont in den Wochen vor dem Zwischenbericht sowie im bisherigen Jahresverlauf verwiesen. Mit einer Performance in 2017 von rund 30% auf 88,90 CHF im Jahreshoch war der bisher höchste bezahlte Preis von 96,15 CHF - erreicht vor vier Jahren - wieder in Griffweite geraten. Nun komme es zu Gewinnmitnahmen, erklären Händler.

Aber fundamental sei der Markt weiterhin positiv für Richemont gestimmt, wird betont. So wird etwa auf eine soeben publizierte Studie von Merrill Lynch verwiesen: Die Amerikaner heben die Richemont-Aktien um gleich zwei Stufen direkt von "Underperform" auf "Buy" an und das Kursziel um über 60% auf 100 CHF.

Das neue Rating begründet der ML-Experte mit den zuletzt deutlich verbesserten Daten zu den Schweizer Uhrenexporten. Hiervon sollte Richemont dank seiner guten Positionierung profitieren. Mit Blick auf die Bewertung gehörten die Papiere zu den günstigsten in der Branche. Eine Erholung des weltweiten Uhrenmarktes sollte zu angepassten Schätzungen für den Gewinn führen, zeigt sich der Experte überzeugt.

ra/ys

(AWP)