Richemont mit Umsatz- und Gewinnrückgang im Halbjahr - CEO und CFO treten ab

(Meldung mit weiteren Angaben ergänzt)
04.11.2016 09:30

Genf (awp) - Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im ersten Halbjahr 2016/17 (per Ende September) erwartungsgemäss an Umsatz verloren und auch weniger Gewinn erzielt. Das Management hatte die Investoren vor einem starken Ergebnisrückgang gewarnt und macht dafür das derzeit schwierige Marktumfeld sowie Produktrückkäufe und Restrukturierungskosten verantwortlich. Zudem gab die Gruppe einschneidende Veränderungen im Management bekannt.

Der Umsatz sank in der Berichtswährung Euro um 13% auf 5,09 Mrd EUR, in Lokalwährungen gerechnet waren es -12%. Klammert man den Einfluss der Produktrückkäufe aus, dann wäre der Umsatz währungsbereinigt um 8% zurückgegangen, wie Richemont in der Mitteilung vom Freitag schreibt. Insbesondere das Flaggschiff Cartier kaufte am Markt "schlecht laufende" Uhren aus den Lagern der Händler in Hongkong und Macau ab.

RESTRUKTURIERUNG BELASTET

Der Bruttogewinn sank derweil um 15% auf 3,23 Mrd EUR und der operative Gewinn EBIT brach um 43% auf 798 Mio ein. Daraus ergibt sich eine operative Marge von lediglich noch 16% nach 24% in der Vorjahresperiode. Restrukturierungskosten für Anpassungen in den eigenen Boutiquen und im Wholesale-Vertriebskanal sowie die Produktrückäufe hätten das operative Ergebnis mit 249 Mio belastet. Ohne diese einmaligen Effekte wäre der EBIT noch um 25% zurückgegangen, heisst es weiter.

Unter dem Strich verbleibt ein Gewinn in Höhe von 540 Mio (-51%). Am Markt hatte man im Vorfeld allerdings mit rückläufigen Ergebnissen gerechnet, schliesslich hatte Richemont bereits im September für die ersten fünf Monaten einen Umsatzrückgang von 14% (-13% in LW) gemeldet und gleichentags fürs Halbjahr vor einem Gewinnrückgang von rund 45% gewarnt.

Der Cash Flow sank im Halbjahr um 37% auf 666 Mio EUR. Per Ende September liegt die Netto-Cash-Position immer noch bei hohen 4,55 Mrd nach 4,76 Mrd im Vorjahr.

MARGEN BRECHEN EIN

In der Schmucksparte mit den Marken Cartier und Van Cleef and Arpels nahm der Umsatz im Halbjahr um 13% auf 2,76 Mrd EUR ab, wobei dieser Rückgang vor allem den Schmuckuhren und weniger den Schmuckstücken zuzuschreiben war. Die operative Marge brach dabei um 7,3 Prozentpunkte auf 27,4% ein.

Die traditionellen Uhrenhäuser (Vacheron Constantin, Baume & Mercier, Jaeger-LeCoultre, Piaget, Lange & Söhne oder IWC) erwirtschafteten derweil einen Umsatz von 1,45 Mrd EUR, was einem Rückgang um 17% entspricht. Die EBIT-Marge steht nun nur noch bei 12,9% nach 23,0% im Vorjahr.

Die Marken des Segments "Other" (Montblanc oder Chloé) mussten dagegen lediglich einen Umsatzrückgang um 1% auf 886 Mio hinnehmen. Der operative Verlust erhöhte sich jedoch um beinahe 30 Mio auf 40 Mio EUR.

VORSICHTIG IM AUSBLICK

Verwaltungsratspräsident Johan Rupert zeigt sich in der Mitteilung von den langfristigen Aussichten für Produkte mit hoher Qualität, insbesondere auch für Uhren und Schmuck, nach wie vor überzeugt. Zudem verfüge die Richemont-Gruppe über starke Marken und eine solide Bilanz, um den derzeit vorherrschenden Herausforderungen am Markt begegnen zu können.

Allerdings müsse die Gruppe verschlankt werden, sei es in der Produktion oder auch im Vertrieb, sagte Rupert an einer Telefonkonferenz. "Ich spreche aber nicht von Stellenabbau. In erster Linie geht es darum, Uhren- und Schmuckläden der Gruppe mit einer "schwachen Performance" zu schliessen."

Zum Oktober-Umsatz machte Richemont keine Angaben. Davon habe man sich verabschiedet, sagte CFO Gary Saage. "Was ich aber sagen kann ist, dass sich der Monat Oktober für uns positiv entwickelt hat", so Saage weiter.

VERÄNDERUNGEN DER MANAGEMENT-STRUKTUR

Richemont reagiert derweil mit einer schrittweisen Veränderung bzw. Verjüngung der Führungsstruktur und einer Reorganisation der Verantwortlichkeiten auf die grossen Veränderungen in der Branche. Per Ende März 2017 wird CEO Richard Lepeu in den Ruhestand treten. Die operative Leitung werde Johan Rupert als in seiner Funktion als Executive Chairman übernehmen, ein CEO-Nachfolger werde nicht gesucht, hiess es.

Auch CFO Gary Saage verlässt das Unternehmen, und zwar per Ende Juli 2017. Saage habe sich dazu entschieden zu seiner Familie in den USA zurückzukehren. Seine Nachfolge wird sein jetziger Stellvertreter Burkhart Grund antreten. Zudem wurden IWC-Chef Georges Kern zum Leiter 'Watchmaking, Marketing and Digital', sowie Montblanc-CEO Jérôme Lambert zum Head of Operations ernannt.

An der Börse sind die Richemont-Aktien am Freitag in einer Erstreaktion sehr gut in den Handel gestartet. Bis um 09.10 Uhr klettern sie um 5,7% in die Höhe (SMI: -0,32%).

mk/cf

(AWP)