Richemont-Umsatz sinkt markant - Starker Ergebnisrückgang erwartet

(Zusammenfassung)
14.09.2016 14:34

Genf (awp) - Die Schmuck- und Luxusuhrengruppe Richemont hat zu Beginn des seit April laufenden Geschäftsjahres 2016/17 erwartungsgemäss deutlich weniger Umsatz erwirtschaftet. Die Branche leidet nach wie vor unter der sich weltweit abschwächenden Nachfrage nach Luxusgütern und so richtet Richemont ihre Kapazitäten sowohl in der Produktion als auch im Verkauf schrittweise danach aus. Weitere Schliessungen von Boutiquen, die zu wenig gut rentieren, werden die Folge sein.

Verwaltungsratspräsident Johann Rupert sprach am Mittwoch an der Generalversammlung in Genf von Überkapazitäten am Luxusgütermarkt und einem nach wie vor von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Die Terrorsorgen in Europa, aber auch die Antikorruptionskampagne der chinesischen Regierung sowie schärfere Zollbestimmungen hätten die Konsumlaune der Chinesen, der für die Branche wichtigste Kundschaft, gedämpft. Immerhin gelinge es, in Festland-China zu wachsen, hielt Rupert fest.

Insgesamt schrumpfte der Umsatz der Gruppe in den ersten fünf Monaten 2016/17, also von April bis August, in der Berichtswährung Euro jedoch um 14% und in Lokalwährungen gerechnet um 13%. Ohne die Rücknahmeaktion von Uhrenmodellen, die von den Händlern in den schwächelnden Märkten Hongkong und Macau nur schleppend verkauft werden, wäre der Umsatz in Lokalwährungen um 10% zurückgegangen, teilte die Richemont mit.

Der Umsatz mit Schmuck von Cartier oder Van Cleef & Arpels sank in der Berichtsperiode in Euro um 16% (-15% in LW). Die Uhrenverkäufe mit Marken wie Piaget, JaegerLeCoultre oder IWC gingen um 19% bzw. 18% zurück. Rupert führte als Grund für die Abgaben auch noch die gute Entwicklung aus dem Vorjahr an; damals war noch zweistelliges Wachstum zu sehen.

Sowieso überraschte der Einbruch die Experten kaum, denn schliesslich hatte Richemont bereits für den Monat April einen Umsatzrückgang von 15% (in LW) gemeldet und laut der Exportstatistik des Branchenverbandes FH nahmen die Ausfuhren von Schweizer Uhren in den Monaten Mai bis Juli jeweils ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich ab. Im Durchschnitt hatten die Analysten einen Umsatzrückgang in Lokalwährungen von 10% erwartet.

SCHWACHES EUROPA

Besonders schwach entwickelte sich Europa (-18% in LW), was mit den rückläufigen Touristenzahlen nach den diversen Terroranschlägen im Zusammenhang steht. Insbesondere das Geschäft in Frankreich habe darunter gelitten, während die Verkäufe in Grossbritannien nach dem Brexit-Votum und dank der Pfund-Schwäche zulegten, hiess es.

Weniger deutlich als in Europa gingen die Verkäufe in Asien-Pazifik (-9%) nach unten. Dabei sei das Wachstum in Festland-China und Südkorea von der anhaltenden Marktschwäche in Hongkong und Macau überlagert worden. Und in Amerika nahm der Umsatz gar nur um 6% ab. Gut hätten sich da die Schmuckmarken entwickelt.

ERGEBNISEINBRUCH IM HALBJAHR

An den schwierigen Marktbedingungen dürfte sich in kurzer Frist kaum was ändern, glaubt Richemont. "Daher müssen wir unser Angebot der tieferen Nachfrage angleichen und werden da und dort unrentable Läden schliessen", sagte Finanzchef Gary Saage am Rande der Generalversammlung vom Mittwoch zu Journalisten.

"Hingegen glaube ich nicht, dass wir weitere Stellen abbauen müssen", ergänzte er. Die Gruppe hatte bereits bis Ende April die Belegschaft um rund 500 Mitarbeitende reduziert.

Im Ausblick warnte die Gesellschaft zudem vor einem Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr. Aufgrund von Restrukturierungskosten im Umfang von 65 Mio EUR sowie den Auswirkungen aus den Produktrückkäufen werde das operative Ergebnis um rund 45% tiefer ausfallen als noch im Vorjahr, hiess es. Der Habjahresbericht wird am 4. November vorgelegt.

Die ernüchternde Ergebnis-Guidance ist bei den Anlegern schlecht angekommen und so büsst die Aktie in dem leicht avancierenden Gesamtmarkt (SMI: +0,1%) am frühen Mittwochnachmittag 3,1% auf 57,95 CHF ein. Allerdings gelte es auch zu beachten, dass Richemont im Vorfeld der Publikation an Wert gewann. Die Papiere des Konkurrenten Swatch verlieren derweil 2,3%.

mk/cp

(AWP)