Richemont verliert GL-Mitglied Georges Kern - Kein Nachfolger gesucht

(Mit Angaben einer Sprecherin, Analystenstimmen und Aktienkurs ergänzt) - Beim Uhrenkonzern Richemont kommt es zu einem gewichtigen Abgang: Georges Kern, der seit Ende 2016 als Geschäftsleitungsmitglied für den neu geschaffenen Bereich "Watchmaking, Marketing and Digital" verantwortlich ist, verlässt das Unternehmen per sofort. Der langjährige Chef der zur Gruppe gehörenden Schaffhauser Uhrenmanufaktur IWC will Unternehmer werden.
14.07.2017 09:46

Georges Kern sei eine spannende Gelegenheit für die Tätigkeit als Unternehmer angeboten worden, wird Richemont-Chef Johann Rupert in einer Mitteilung vom Freitag zitiert. Richemont bedauert den Rücktritt und wünscht Kern für die Zukunft alles Gute. Er werde aufgrund seines Wechsels an der kommenden Generalversammlung im September auch nicht mehr für die Wahl in den Verwaltungsrat zur Verfügung stehen.

Kern blickt auf eine erfolgreiche Zeit bei Richemont zurück. Er stiess im Jahr 2000 zur Gruppe und wurde bereits zwei Jahre später im Alter von nur 36 Jahren zum CEO der Uhrenmanufaktur IWC berufen, die er zu einer global bekannten und erfolgreichen Marke entwickelte.

Anfang November teilte Richemont mit, dass Kern im Rahmen einer Neuorganisation als Leiter des neuen Bereichs "Watchmaking, Marketing and Digital" in die Konzernzentrale nach Genf wechseln wird. In diesem Bereich wurden nebst der Uhrmacherei und dem Marketing etwa auch das Thema Onlineverkauf von Luxusuhren behandelt. Bei IWC trat Christoph Grainger-Herr im laufenden Jahr die Nachfolge Kerns an.

KEIN NACHFOLGER GESUCHT

Die Verantwortlichkeiten der "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten würden nach Kerns Abgang direkt an die Geschäftsleitung, das Senior Executive Committee, übertragen, heisst es weiter. Ein Nachfolger für Kern werde derzeit nicht gesucht, ergänzte eine Richemont-Sprecherin auf Anfrage von AWP. Das vierköpfige Senior Executive Committee verfüge über genügend Know how, um die "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten zu betreuen.

Das Committee setzt sich aus dem designierten CFO Burkhart Grund, dem Cartier-Chef Cyrille Vigneron, dem Van Cleef & Arpels-Chef Nicolas Bos sowie Jérôme Lambert zusammen. Der frühere Montblanc-CEO Lambert ist seit der Neuorganisation als "Head of Operations" für die restlichen Richemont-Marken ausserhalb der Schmuck- und Uhrenwelt sowie die regionalen Plattformen der Gruppe verantwortlich.

AKTIE REAGIERT KAUM

An der Börse reagieren die Richemont-Aktien kaum auf den abrupten Abgang von Kern. Bis um 09.30 Uhr gewinnen sie in einem leicht fester tendierenden Gesamtmarkt (SMI: 0,3%) und eher geringen Volumen 0,1% auf 79,55 CHF dazu.

Für René Weber von der Bank Vontobel kommt die Meldung zum Abgang von Georges Kern nur teilweise überraschend. Am Markt habe es seit ein paar Monaten dahingehend bereits Gerüchte gegeben. Richemont verliere einen Mann mit grosser Erfahrung und starker Persönlichkeit. Allerdings dürfte das Uhrmachergeschäft durch den Wechsel kaum beeinträchtigt werden. Im Senior Executive Committee sei Jérôme Lambert prädestiniert dafür, sich den "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten anzunehmen, glaubt der Vontobel-Analyst.

Patrik Schwendimann von der ZKB schreibt von einer "negativen Überraschung" für Richemont. Der Wechsel dürfe aber nicht mit einem schlecht laufenden Uhrengeschäft in Zusammenhang gebracht werden, schliesslich zeigten sich auch bei Richemont in der Uhrensparte in der jüngeren Vergangenheit Besserungstendenzen. Vielmehr habe sich Kern möglicherweise in der neuen Verantwortung zu wenig verwirklichen können und nun erhalte er bei einem Konkurrenten eine aus seiner Sicht bessere Chance, sein Unternehmertum umzusetzen, mutmasst der ZKB-Experte.

Die Nachricht von Kerns Abgang sei für das Unternehmen und somit auch die Aktie "leicht negativ" zu werten, so ein Experte der Credit Suisse. Allerdings liege der Fokus bei Richemont nach wie vor auf der Weiterentwicklung des Schmuck- und Uhrengeschäfts.

mk/cf

(AWP)