Rieter-Aktien von Einigung zum Abbau in Ingolstadt kaum bewegt

Die Aktien des Textilmaschinenherstellers Rieter geben am Freitag in einem knapp festeren Gesamtmarkt leicht nach. Am Morgen hat das Unternehmen die Einigung mit den Mitarbeitern über das Vorgehen beim Stellenabbau am Standort Ingolstadt bekanntgegeben, was die Investoren aber mehr oder weniger kalt lässt. Entsprechend sind auch die gehandelten Volumina unterdurchschnittlich. Rieter hatte die anstehende Reorganisation in Ingolstadt bereits im vergangenen Februar verkündet.
29.09.2017 11:38

Um 11.20 Uhr verzeichnen Rieter ein Minus von 0,2% und stehen bei 206 CHF. Gehandelt sind erst knapp 10% eines durchschnittlichen Tagesvolumens. Der Gesamtmarkt (SPI) steht 0,18% höher.

Bekanntlich verlagert Rieter die Produktion von Ingolstadt nach Tschechien und behält dort nur noch Aktivitäten im Bereich Entwicklung und im After-Sales-Geschäft, wodurch 220 der 360 Stellen in Ingolstadt wegfallen. Dafür wurden einmalige Kosten im mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Aussicht gestellt.

Gemäss der heutigen Mitteilung rechnet Rieter für das laufende Geschäftsjahr nun mit einer Ergebnisbelastung von 36 Mio CHF, was sich in etwa mit den Erwartungen der Analysten deckt. Rieter hat weiter auch die bisherige Annahme bekräftigt, dass dadurch die Kosten um über 15 Mio CHF im Jahr zurückgehen werden.

Durch die Aufgabe der Produktion in Ingolstadt entstünden zwar einmalige Belastungen in der Erfolgsrechnung, diese würden sich aber mit den Erwartungen decken, heisst es etwa in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Und nun falle damit auch ein Unsicherheitsfaktor weg.

Für Baader Helvea wird mit der Ankündigung das mittelfristige Ziel einer EBIT-Marge von 10% realistischer. Für den Weg von Rieter, das signifikante Margen- und Wertgenerierungspotential auszuschöpfen, sei die Nachricht insgesamt positiv. Die Bank Vontobel sieht die Vereinbarung bezüglich des Timings innerhalb der Erwartungen und bezüglich der Kosten gar besser als erhofft.

Die Zürcher Kantonalbank greift noch einen weiteren Punkt auf. Das frei werdende Areal biete Potential für Gewinne aus Immobilienverkäufen, auch wenn es noch schwierig sei diese zu beziffern. Zuerst müsste man wissen, was genau mit dem Areal geschieht.

Zu dieser Frage äusserte sich CEO Norbert Klapper in einem heute veröffentlichten Interview mit AWP. Die Frage, die auf die Verwendung der frei werdenden Areale in Ingolstadt und Winterthur abzielte, beantwortete er folgendermassen: "Wir haben es bei den Plänen für die Areale nicht eilig. Hier in Winterthur gibt es einen Teil auf dem Gelände, den wir selber weiter nutzen wollen. Da sind wir mit der Planung relativ weit. Für den anderen Teil gibt es einen separaten Prozess, an dem sich sehr viele Interessensgruppen beteiligen wollen. In Ingolstadt wird das ähnlich sein."

Klapper bekräftige im Interview gleichzeitig das mittelfristige Ziel für die EBIT-Marge von 10% und er sieht sich damit auf dem richtigen Weg, auch ohne die vor kurzem übernommene Textilmaschinensparte SSM von Schweiter.

cf/cp

(AWP)