Rieter überrascht mit hohem Bestellungseingang im ersten Halbjahr - Ziele gelten

(Zusammenfassung, mit neuen Aussagen des CFO aus dem Analystencall)
21.07.2016 16:17

Winterthur (awp) - Rieter hat im ersten Halbjahr 2016 mit einem Bestellungseingang überrascht, der deutlich über den Erwartungen der Analysten lag. Beim Umsatz und vor allem den Gewinnzahlen gab es Nachwehen der Marktschwäche von 2015. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Die politischen Turbulenzen im wichtigen Markt Türkei machen vorerst keine grossen Sorgen.

Rieter-CEO Norbert Klapper geht davon aus, dass "wir das Tal dieses Zyklus hinter uns gelassen haben". Das Geschäft mit Spinnereimaschinen ist traditionell stark zyklisch, und 2015 war es rasant abwärts gegangen.

Das hat sich im ersten Halbjahr 2016 geändert. Und prompt konnte Rieter den Auftragseingang um 32% auf 510,7 Mio CHF steigern. Damit wurden die Prognosen der Analysten markant übertroffen.

"KEIN EINBRUCH IN DER TÜRKEI ERWARTET"

Vor allem im Bereich "Machines&Systems", also dem eigentlichen Neumaschinengeschäft, nahmen die Bestellungen um satte 52% zu. Die beiden anderen und kleineren Geschäftsbereiche, "After Sales" (+9%) und "Components" (-2%), entwickelten sich vergleichsweise unspektakulär.

Nach Regionen aufgeschlüsselt war die Nachfrage in China gut, wo sie massgeblich durch ein Investitionsprogramm der Regierung für den westlichen Landesteil bestimmt wurde. Auch aus der Türkei trafen mehr Bestellungen ein.

CEO Klapper erwartet wegen der politischen Krise in der Türkei keinen Einbruch des dortigen Geschäfts. "Ich gehe davon aus, dass wir die bestellten Maschinen ausliefern können und weitere Projekte eintreffen werden", sagte er. Für gute Stimmung in der türkischen Spinnereiindustrie sorgten gegenwärtig die besseren Beziehungen zwischen dem Land und Russland: Dadurch seien Exporte von der Türkei nach Russland wieder möglich.

TIEFERER UMSATZ

Bei den anderen Kennzahlen wirkte sich die vergangene Marktschwäche aus. So nahm der Umsatz um 21% auf 436,9 Mio CHF ab. Das Neumaschinengeschäft verzeichnete eine Einbusse um 35%. "After Sales" (+2%) und "Components" (+19%) konnten hingegen zulegen.

Noch stärker als beim Umsatz war in der Folge der Rückgang bei den Gewinnzahlen: Der EBIT verringerte sich auf 15,7 Mio von 46,1 Mio CHF und die entsprechende Marge auf 3,6% von 8,3%. Aufgeschlüsselt nach Sparten schrieb das Neumaschinengeschäft rote Zahlen, "After Sales" und "Components" waren hingegen gewinnbringend. Unter dem Strich steht ein Reingewinn von 11,0 Mio nach 29,1 Mio CHF.

"STEP UP" AUF KURS

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2016 hielt das Management an der bisherigen Prognose fest. Demnach erwartet es weiterhin einen tieferen Umsatz und Gewinn als im Vorjahr, wobei das zweite Halbjahr jedoch in Bezug auf Umsatz und Profitabilität bessere Ergebnisse als das erste liefern soll. Eine Basis dafür sei der höhere Bestellungsbestand, der per 30. Juni auf 550 Mio CHF von 470 Mio CHF Ende 2015 stieg. Dieser Bestand habe eine vergleichbare Marge wie in vergangenen Zeiten, sagte CFO Joris Gröflin am einer Telefonkonferenz für Analysten.

Wie weit es im aktuellen Zyklus noch nach oben geht, ist laut dem Management nicht abzuschätzen. Die Visibilität sei beschränkt: "Wir sehen nur zwei bis drei Monate nach vorn", sagte CEO Klapper.

Ohnehin müsse Rieter mit den Zyklen leben können. Das entsprechende Programm "Step up", welches diese Fähigkeit stärken soll, sei auf Kurs, hiess es weiter. Teil dieses Programms ist es, die jährliche Kostenbasis ab 2017 um 15 bis 20 Mio CHF zu senken. Der dafür geplante Stellenabbau in Winterthur soll bis Ende Jahr weitgehend umgesetzt sein.

Zu "Step up" gehört aber auch die Steigerung der Innovationsfähigkeit. Aus diesem Grund wurden laut CFO Gröflin im ersten Semester die Ausgaben für Forschung & Entwicklung trotz des tieferen Umsatzes und Ergebnisses leicht erhöht.

Analysten hoben in ihren Kommentaren den überraschend guten Bestellungseingang hervor. An der Börse ziehen die Rieter-Papiere denn auch an, bis um 15.30 Uhr um 2,5% (SPI: -0,3%).

rw/cp

(AWP)