Rieter verliert gegen Jahresende 2016 an Tempo - Stellenabbau in Deutschland

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Der Spinnereimaschinen-Hersteller Rieter hat 2016 zwar deutlich mehr Bestellungen an Land gezogen als im Vorjahr, dabei jedoch gegen Ende Jahr deutlich an Tempo verloren. Der Umsatz ging wie erwartet leicht zurück. Ausserdem präzisiert das Management die Prognosen zur Profitabilität und gibt ein Restrukturierung am Standort Ingolstadt bekannt.
01.02.2017 08:20

Der Auftragseingang sieht mit einem Plus von 13% auf 905,2 Mio CHF auf den ersten Blick sehr gut aus. Diese Verbesserung sei dank eines guten ersten Halbjahrs gelungen, räumt das Management in einer Mitteilung vom Mittwoch aber ein. Im zweiten Semester hätten "zunehmende politische Unwägbarkeiten in den Hauptmärkten Türkei und Indien" das wichtige Neumaschinengeschäft belastet.

Im vierten Quartal führte dies dazu, dass der Bestellungseingang unter dem Vorjahr zu liegen kam. Dies kommt für die meisten Analysten überraschend. Entsprechend wurde die Durchschnittsprognose (AWP-Konsens) beim Bestellungseingang um Längen verfehlt.

MEHR MASCHINEN, WENIGER KOMPONENTEN

Über das ganze Jahr betrachtet legten laut den Angaben das Neumaschinengeschäft um 29% auf 591,6 Mio CHF und das After-Sales-Geschäft um 7% auf 135,2 Mio CHF zu. Die dritte Konzernsparte, das Komponentengeschäft, verzeichnete hingegen eine Einbusse um 18% auf 178,4 Mio CHF.

Beim Neumaschinengeschäft habe Indien ein erfreuliches Wachstum verzeichnet, in China habe das Auftragsvolumen hingegen trotz einer leichten Belebung im zweiten Halbjahr unter dem Vorjahreswert gelegen, heisst es dazu.

Der Rückgang im Bereich Komponenten wird zum einen mit einem "ausserordentlich starken Vorjahr" sowie mit einer Zurückhaltung von Kunden in Indien und China bei Grossaufträgen erklärt.

UMSATZ IM ZIELBEREICH

Der Umsatz, der im relativ langfristigen Geschäft den früheren Bestellungseingang abbildet, nahm derweil im Gesamtjahr um 9% auf 945,0 Mio CHF ab, wie es weiter heisst. Damit wurden die eigenen Prognosen und die durchschnittlichen Analystenschätzungen leicht übertroffen.

Stark rückläufig war das Neumaschinengeschäft (-14%), "After Sales" (+1%) und "Components" (+3%) vermochten sich hingegen leicht zu steigern. Bei der Betrachtung nach einzelnen Märkten stechen Amerika (-57%), Europa (-32%), die Türkei (-17%) und "Übriges Asien" (-12%) negativ, China (+33%) und Indien (+28%) positiv ins Auge.

Mit den Umsatz- und Bestellungszahlen gibt Rieter zudem einen Ausblick auf die Gewinnentwicklung, wobei frühere Prognosen präzisiert werden. Neu wird eine EBIT-Marge von 6% (bisher: 5-6%) und eine Reingewinn-Marge von 4,5% (bisher: rund 3,5-4,5%) in Aussicht gestellt. Die genauen Zahlen werden am 14. März publiziert.

RESTRUKTURIERUNG IN INGOLSTADT

Ausserdem gibt Rieter eine massive Umstrukturierung in Deutschland bekannt. Demnach soll sich der Standort Ingolstadt künftig auf die Entwicklung von Maschinen und die Unterstützung des After-Sales-Geschäfts fokussieren. Die Produktion soll hingegen an den Rieter-Standort Usti in der Tschechischen Republik verlagert werden. Es sei das Ziel, auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Neuordnung der Produktion abzuschliessen, welche eine Folge des Kapazitätsaufbaus in China und Indien sei, heisst es dazu. Die Ersatzteillogistik will Rieter "im Rahmen einer europäischen Lösung" auslagern.

Dadurch würden voraussichtlich 220 der 360 Stellen in Ingolstadt wegfallen, heisst es weiter. Das Management erhofft sich nach Abschluss der Massnahmen ab 2019 eine Kosteneinsparung von 15 bis 20 Mio. Über die nächsten zwei Jahre werde jedoch zunächst "ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag an Einmalaufwendungen" notwendig sein.

In der Geschäftsleitung von Rieter kommt es zudem zu einem Wechsel: Serge Entleitner übernimmt von Werner Strasser, der seit 1994 für Rieter tätig war und nun in den Ruhestand geht, per 6. April die Leitung des Geschäftsbereichs "Components". Entleitner war laut den Angaben zuletzt für den Bühler-Konzern tätig.

rw/uh

(AWP)