Roche erhält von FDA Priority Review für Blutermittel Emicizumab

(Ergänzt um Analystenkommentare und Aktienkurs) - Der Pharmakonzern Roche ist mit seinem Blutermedikament Emicizumab einen Schritt näher an der Zulassung. Basierend auf positiven Resultaten einer Phase-III-Studie hat die US-Gesundheitsbehörde FDA das Zulassungsgesuch für das Mittel angenommen und die Prüfung im beschleunigten Verfahren (priority Review) gewährt, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Eine Zulassungsentscheidung werde voraussichtlich bis zum 23. Februar 2018 getroffen.
24.08.2017 10:47

Emicizumab wird bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Inhibitoren einmal wöchentlich zur Prophylaxe von Blutungen verabreicht. Fast jeder dritte Patient mit Hämophilie A entwickele Inhibitoren gegen die üblichen Faktor-VIII-Ersatzpräparate, so Roche weiter. Dies schränke die Therapieoptionen ein und erhöhe das Risiko von lebensbedrohlichen sowie wiederholten Blutungen, vor allem in den Gelenken, die langfristig Schäden verursachen.

"Die Resultate unserer Phase-III-Studie bei Erwachsenen und Jugendlichen sowie die ersten Phase-III-Resultate bei Kindern haben gezeigt, dass Emicizumab ein erhebliches Potenzial hat, Hämophilie-A-Patienten mit Inhibitoren zu helfen, die vor der grossen Herausforderung stehen, Blutungen vorzubeugen und zu behandeln", wird Sandra Horning, Chief Medical Officer und Leiterin der globalen Produktentwicklung von Roche, zitiert.

ANALYSTEN-URTEIL GEMISCHT - MS-MITTEL OCREVUS POSITIV

Das Analystenurteil fiel gemischt aus. Zwar falle die erwartete Zulassungsentscheidung etwas später als erwartet, dennoch sei Emicizumab auf Kurs für einen Marktstart, so Vontobel-Analyst Stefan Schneider. Er sieht keinen Änderungsbedarf für seine Schätzungen und erwartet weiterhin Spitzenumsätze von bis zu 1,4 Mrd CHF.

Etwas zurückhaltender gibt sich Michael Nawrath von der ZKB. Zwar habe das Präparat auf der ISTH-Konferenz im Juli hervorragende Daten gezeigt. Allerdings seien während der Studien einige Todesfälle aufgetreten, die zwar wohl nichts mit diesem zu tun hätten, aber trotzdem nicht gänzlich wegzudiskutieren seien. Zudem betreffe die Zulassung 2018 vorerst nur 30% des Hämophilie-Marktes, daher werde der kommerzielle Erfolg nicht überaus gross sein.

Derweil richtet Goldman Sachs den Blick auf das erst jüngst in den USA auf den Markt gekommene MS-Mittel Ocrevus. Analyst Keyur Parekh stützt sich auf Daten von Bloomberg, denen zufolge der Umsatz mit Ocrevus im Juli auf 94,1 Mio nach 86 Mio USD im Juni gestiegen sei. "Diese Beschleunigung gegenüber dem Vormonat - und das trotz zwei Verkaufstagen weniger - ist ein gutes Zeichen für das langfristige Potenzial von Ocrevus", so der Experte.

Parekh sieht entsprechendes Aufwärtspotenzial für die Schätzungen, die derzeit bei einem Jahresumsatz für 2017 von 428 Mio USD lägen. Der Analyst selbst rechnet mit 752 Mio. Auch langfristig hält er Ocrevus für derzeit massiv unterschätzt und liegt mit seinen Umsatzerwartungen für 2020 mit rund 4,6 Mrd CHF deutlich über dem aktuellen Konsens von 2,8 Mrd.

Die Aktie zeigt sich von alldem derzeit recht unbeeindruckt und so liegen die Genussscheine mit +0,04% auf 243 CHF im Einklang mit dem Gesamtmarkt.

dm/ra

(AWP)