Roche erzielt wichtige Zwischenetappen - Tecentriq dabei im Fokus

(Meldungen vom Wochenende zusammengeführt und durchgehend ergänzt) - Der Pharmakonzern Roche und seine US-Tochter Genentech rücken gleich mit verschiedenen Zwischenmeldungen in den Fokus. Allen voran hat die US-Gesundheitsbehörde FDA dem Immun-Therapeutikum Tecentriq in der Behandlung von Patienten mit einer bestimmten Form von lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Blasenkrebs (mUC) ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesprochen. Dabei geht es um die Erstlinien-Therapie von Patienten, die für eine Cisplatin-Chemotherapie ungeeignet sind, heisst es in einer Medienmitteilung vom Dienstag.
18.04.2017 09:15

Tecentriq ist in den USA bereits zur Behandlung von Patienten mit einer bestimmten Form von Blasenkrebs zugelassen, bei denen die Krankheit während oder nach einer Chemotherapie zurückgekehrt ist, die Platin enthielt. Ebenso darf das Mittel bei Patienten in dieser Indikation eingesetzt werden, die innerhalb von 12 Monaten nach Erhalt einer solchen Chemotherapie vor einer Operation (neoadjuvant) stehen, bzw. eine solche hinter sich haben (adjuvant).

Blasenkrebs ist die häufigste Form des Urothelkarzinoms, heisst es in der Mitteilung weiter. Bei der Behandlung dieser Form von Krebs komme erschwerend hinzu, dass etwa die Hälfte der betroffenen Patienten nicht für eine Cisplatin-Chemotherapie geeignet sind und gerade bei ihnen der medizinisch bislang unbefriedigte Bedarf sehr hoch sei.

ZULASSUNGSERWEITERUNG FÜR LUCENTIS

Bereits im Laufe des Osterwochenendes hatte die US-Tochter Genentech bereits positive Nachrichten für das Augenmittel Lucentis veröffentlicht. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Mittel eine erweiterte Zulassung erteilt. Die Behörde hat Lucentis auch zur Behandlung von diabetischer Retinopathie zugelassen. Dabei handelt es sich um eine durch Diabetes hervorgerufene Erkrankung der Netzhaut des Auges, die zu Blindheit führen kann.

Lucentis ist laut Genentech das erste und einzige von der FDA in den USA für alle Formen diabetischer Retinopathie zugelassene Medikament. In den USA seien etwa 7,7 Millionen Menschen davon betroffen.

POSITIVEN STUDIENDATEN UNTERMAUERN POTENZIAL VON ACE910

Darüber hinaus hat Roche mit dem Bluter-Medikament Emicizumab (ACE910) im Rahmen der Phase-III HAVEN-2-Studie positive Zwischenresultate in der Behandlung von Kindern unter 12 Jahren erreicht. In einer im Median durchschnittlichen Behandlungsperiode von zwölf Wochen sei mit der Anwendung von Emicizumab eine "deutliche Reduktion" der Anzahl Blutungen erreicht worden. In der Studie werden Patienten mit Emicizumab behandelt, die an der Bluterkrankheit Hämophilie A leiden und gleichzeitig inhibitorische Antikörper gegen den Blutgerinnungsfaktor VIII entwickelt haben.

ANALYSTEN INSGESAMT ZUFRIEDEN

Auf Analystenseite lobt Stefan Schneider von Vontobel in einem ersten Kommentar vor allem die beschleunigte Zulassung für Tecentriq. Das seien gute Nachrichten für den Pharmakonzern, schreibt der Experte. Er gehe davon aus, dass das Immun-Therapeutikum in dieser Indikation Spitzenumsätze von bis zu knapp 1,4 Mrd CHF erzielen könne.

Dagegen befasst sich Analyst Michael Nawrath in seinem aktuellen Kommentar mit den Daten der HAVEN-2-Studie. Roche habe mit dem neuartigen bi-spezifischen Antikörper ACE910 beim zweiten von insgesamt vier Teilen des Phase-3-HAVEN-Programms positive Daten bei der Prophylaxe der Bluterkrankheit Hämophilie A liefern.

Wie Nawrath weiter schreibt, ist es Roche gelungen für eine sehr spezifische Patientengruppe eine bessere Alternative zur Standardtherapie zu entwickeln. Er glaube, dass genau bei dieser spezifischen Patientengruppe eine ernsthafte Konkurrenz zu Feiba von Shire und NovoSeven von Novo Nordisk aufgebaut werden kann, ergänzt Nawrath.

An der Börse stossen die Nachrichten auf ein verhalten positives Echo. Die Genussscheine vor Roche gewinnen kurz nach Handelsstart 0,27% auf 257,40 CHF hinzu. Sie halten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt (SPI), der um 0,08% vorrückt.

hr/tp

(AWP)