Roche hebt überraschend Ausblick für 2017 und setzt weiter auf Innovation

(Meldung um weitere Details ausgebaut) - Dem Pharmakonzern Roche ist mit der Vorlage des Semesterausweises eine Überraschung gelungen, mit der die wenigsten Marktteilnehmer gerechnet hatten: Nach einem "starken" ersten Halbjahr hat der Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr leicht erhöht. So rechnet Roche nun zu konstanten Wechselkursen mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und bleibt dabei, dass der Gewinn im etwa gleichen Tempo wachsen soll.
27.07.2017 08:56

Roche hatte aber nicht nur mit dem Ausblick für eine Überraschung gesorgt. Auch bei den Zahlen hat der Pharmakonzern überwiegend besser abgeschnitten als erwartet. Der Umsatz für die ersten sechs Monate beträgt laut Mitteilung vom Donnerstag 26,3 Mrd CHF, ein Plus von 5%. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) resultierte ein Wachstum von ebenfalls 5%.

Den Löwenanteil steuert erneut die Pharmasparte bei mit 20,5 Mrd CHF (+5%/+5% kWk). Für den Bereich Diagnostics stehen Erlöse von 5,8 Mrd CHF zu Buche, ebenfalls 5% mehr (5% kWk) als im Vorjahreszeitraum.

NEU EINGEFÜHRTE MITTEL BEREITS WACHSTUMSTRÄGER

Wie Roche-CEO-Severin Schwan in einer Telefonkonferenz mit Journalisten betont, haben die zum Teil erst kürzlich eingeführten Mittel Tecentriq und Ocrevus massgeblich zum Umsatzwachstum beigetragen. Sie gelten für den Manager neben Perjeta zudem zu den Haupthoffnungsträgern.

Aber auch Alecensa gehört zu den Mitteln, die erst vor kurzem auf den Markt gekommen sind und in den Halbjahreszahlen bereits zur Geltung kamen. "Die kürzlich in den Märkten eingeführten Medikamente Tecentriq, Ocrevus und Alecensa haben mit 0,5 Mrd CHF zusätzlichem Umsatz die Hälfte des divisionalen Wachstums generiert", freut sich Schwan.

SCHWAN BETONT DEN MEHRWERT VON PERJETA

Daneben betont der Manager auch die gestiegenen Verkäufe des Krebsmittels Perjeta. Das Mittel steht vor allem wegen der enttäuscht aufgenommenen Aphinity-Studie im Fokus. Wie Schwan hervorhebt, schafft das Mittel in der Kombination mit Herceptin und Chemotherapie für die betroffenen Brustkrebs-Patienten einen wichtigen Mehrwert, da eine grosse Mehrheit eine Chance auf Heilung hat. Und ein solcher Mehrwert komme zu einem bestimmten Preis.

Für das vergleichsweise neue Immuntherapeutikum Tecentriq weist Roche einen Umsatz von 237 Mio in den ersten sechs Monaten aus. Das erst kürzlich lancierte MS-Mittel Ocrevus hat laut Mitteilung Umsätze in Höhe von 192 Mio CHF erzielt. Es ist seit März in den USA zugelassen und seit April erhältlich. Zum Vergleich: Analysten rechnen bei dem MS-Mittel im Schnitt mit einem Jahresumsatz von gut 350 Mio CHF.

"Ocrevus hatte einen sehr guten Start in den USA und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch weiterhin fortsetzen wird", kündigt Schwan an.

GEWINN GESTEIGERT - EPS NOCH STÄRKER ALS UMSATZ

Auf Gewinnebene erzielte Roche in den ersten sechs Monaten einen betrieblichen Kerngewinn von 10,1 Mrd CHF aus (+3%/+3% kWk). Der Konzerngewinn nach IFRS wiederum nahm um 2% zu auf knapp 5,6 Mrd. Wie Schwan in der Konferenz noch hervorhebt, stieg der Kerngewinn je Aktie um 6%, also sogar noch etwas stärker als der Umsatz.

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Roche die Analysten-Erwartungen nahezu allesamt übertroffen - lediglich die Diagnostics-Sparte ist leicht hinter den Umsatz-Schätzungen zurückgeblieben. Die von AWP befragten Experten hatten im Durchschnitt (AWP-Konsens) einen Gruppen-Umsatz von 26,1 Mrd CHF und einen Core EBIT von annähernd 9,9 Mrd geschätzt.

BIOSIMILARS VERSTÄRKT AB 2018 SPÜRBAR

Beim Blick nach vorne macht Schwan noch deutlich, dass der Druck durch Biosimilars in diesem Jahr noch überschaubar sein dürfte. Erst gegen Ende der zweiten Jahreshälfte ist dann auch mit dem Eintritt von Nachahmerprodukten für Herceptin zu rechnen. Entsprechend geht der CEO davon aus, dass sich der Druck ab dem kommenden Jahr stärker bemerkbar machen werde. "Unsere Strategie ist es, mit Innovationen dagegenzuhalten."

hr/tp/gab

(AWP)