Roche kräftig unter Druck - APHINITY-Daten überzeugen nicht

Für die Roche-Bons geht es am Dienstag abwärts. Die vom Pharmakonzern auf dem US-Krebskongress ASCO veröffentlichten Details zur APHINITY-Studie sorgten für Enttäuschung in der Analystengemeinde. Derweil rückten die Ergebnisse der ALEX-Studie sowie Informationen zum Pipeline-Projekt mit dem Immun-Therapeutikum Tecentriq in den Hintergrund.
06.06.2017 09:33

Gegen 9.25 Uhr sacken die Titel bei hohen Volumen um 4,3% auf 253,50 CHF ab. Anfang März hatten die Genussscheine noch mit einem Tagesplus von mehr als 6% auf die Vorab-Informationen der APHINITY-Studie reagiert. Auch der SMI wird von den hohen Verlusten belastet und verliert 0,68%.

Die für die Credit Suisse tätige Pharmaanalystin zeigt sich sichtlich enttäuscht von den detaillierten Studienergebnissen. An der Wirksamkeit gemessen liegt der Patientenvorteil von Perjeta ihres Erachtens in einem Bereich, welcher von Roche selber im Vorfeld als "nicht klinisch bedeutsam" bezeichnet worden sei. Der Enttäuschung schliesst sich HSBC-Experte Steve McGarry an. Seiner Einschätzung nach rechtfertigten die Daten nicht die Aufnahme von Perjeta in die Standardtherapie, ausser bei Hoch-Risiko-Patienten. Er hatte ursprünglich mit einem Spitzenumsatz von 6,1 Mrd CHF gerechnet - nun senkt er diese Schätzung auf 4 Mrd.

Der Kollege von Barclays Capital äussert sich in einem Kommentar ebenfalls eher vorsichtig. Im Hinblick auf den Ablauf wichtiger Patente sei Roche nun gefordert, so lässt der Analyst weiter durchblicken. Dem schliessen sich weitere Kollegen an, die nun mit erhöhtem Druck durch Biosimilars rechnen. Diese Auswirkungen sind für HSBC-Experte McGarry sogar noch gravierender als der nun wohl tiefer ausfallende Umsatz von Perjeta.

Berenberg zeigt sich zudem sichtlich enttäuscht, dass die Behandlung mit Perjeta offenbar bei Patienten mit tiefem Risiko überhaupt keine Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe gebracht habe - damit fielen diese Umsätze wohl völlig weg.

Neben dem geringeren Einsatzpotenzial wahrscheinlich nur für Hoch-Risiko-Patienten dürften auch die verhältnismässig hohen Kosten für die neue Therapieform eine Rolle spielen. Vontobel-Experte Stefan Schneider erwartet angesichts der aktuell hohen Preissensitivität, dass die maximale Nutzung des Mittels ein Jahr später eintreten werde. So erwartet auch Liberum, dass Perjeta wohl die Zulassung für alle HER2+-Krebspatienten erhalten werde, aber bis 2020 wohl nur an knapp 50% der Patienten verschrieben werden dürfte.

Beschwichtigende Worte findet der für Goldman Sachs tätige Pharmaexperte. Er begrüsst, dass die Studie bei den mit Perjeta behandelten Patientinnen keine neuen Sicherheitsbedenken hervorgebracht hat. Zudem beleuchtet Goldman auch die "starken" Ergebnisse der ALEX-Studie - Alecensa dürfte bei Lungenkrebs den neuen Therapie-Standard darstellen.

dm/uh/ra

(AWP)