Roche meldet Rückschlag für Immuntherapeutikum Tecentriq - "Bons" unter Druck

(Zusammenfassung mit Schlusskurs) - Roche hat mit seinem ersten Krebs-Immuntherapeutikum Tecentriq einen Rückschlag erlitten. Eine zulassungsrelevante Studie brachte nicht die erhofften Ergebnisse. Konkret konnte bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs der Form mUC mit Tecentriq kein besserer Krankheitsverlauf nachgewiesen werden im Vergleich mit einer Chemotherapie. An der Börse kommen die Neuigkeiten nicht gut an. Gleichwohl wird die Sache unter Analysten auch nicht in allzu finsterem Licht gesehen.
10.05.2017 18:25

Das Mittel erreichte in der Phase-III-IMvigor211-Studie den primären Endpunkt nicht, wie der Pharmakonzern am Mittwoch mitteilte. In dieser Studie wurde Tecentriq in der Behandlung von Patienten mit einer bestimmten Form von lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Blasenkrebs (mUC) getestet, bei denen die Krankheit während oder nach der Behandlung mit einer Platin-basierten Chemotherapie fortgeschritten ist. Der primäre Endpunkt der Studie bestand im Überleben der Patienten im Vergleich zur Chemotherapie.

"Obwohl diese Resultate nicht das sind, was wir erwartet hatten, glauben wir, dass Tecentriq bei der Behandlung von Patienten mit Blasenkrebs weiter eine wichtige Rolle spielen wird", wird Sandra Horning, Chefärztin und Leiterin der globalen Produktentwicklung bei Roche, in der Mitteilung zitiert.

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hatte Tecentriq im Januar zur Erstlinienbehandlung von mUC-Patienten, die für eine Cisplatin-Chemotherapie ungeeignet sind, ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesprochen. Eine Phase-III-Studie (IMvigor130) laufe dazu derzeit noch, heisst es weiter.

HOFFNUNGSTRÄGER MIT POTENTIAL FÜR MILLIARDENUMSATZ

Tecentriq, das zu den Hoffungsträgern der Basler zählt und dem Analysten Milliardenumsätze zutrauen, ist zur Behandlung dieser speziellen Form von Blasenkrebs sowie zur Behandlung einer bestimmten Form von Lungenkrebs bereits seit letztem Jahr in den USA zugelassen - in beiden Fällen allerdings als Zweitlinientherapie.

Im ersten Quartal 2017 wurde mit dem Mittel ein Umsatz von 113 Mio CHF erzielt. Laut Morgen Stanley stammen davon 70% aus der Blasenkrebsbehandlung.

Auch unter einem anderem Gesichtspunkt ist das Mittel für die Basler wichtig: Es handelt sich nämlich um eine sogenannte Immuntherapie, mit der das körpereigene Abwehrsystem so aktiviert wird, dass es Krebszellen erkennen und zerstören kann. Dies gilt als zukunftsweisende Behandlungsmethode in der Krebsmedizin. Roche befindet sich hier im Wettlauf mit anderen Branchengrössen wie Bristol-Myers Squibb, Merck & Co und AstraZeneca.

KOMMERZIELLER EINFLUSS GERING

Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen zwar etwas enttäuscht, der kommerzielle Einfluss wird aber als eher gering eingestuft. Unter diesem Gesichtspunkt seien die Neuigkeiten für ihn nicht sehr bedeutsam, schrieb beispielsweise Vincent Meunier von Morgan Stanley. Ähnlich sieht man das bei Baader Helvea. Die negativen Studienergebnisse würden das kommerzielle Potenzial des Medikaments nicht allzu stark eintrüben, so Pharmaanalyst Bruno Bulic.

Die Roche-Bons schlossen bei überdurchschnittlichem Volumen 1,8% auf 267,60 CHF. Händlern zufolge lagen die Genussscheine von Roche in den letzten Wochen allerdings auch überdurchschnittlich gut im Markt. Nach mehreren ermutigenden Produktneuigkeiten und überraschend soliden Quartalsumsatzzahlen sei insbesondere aus dem angelsächsischen Raum gutes Kaufinteresse auszumachen gewesen, so Beobachter.

cp/cf

(AWP)