Roche-Papiere nach Rückschlag bei Tecentriq unter Verkaufsdruck

Die Roche-Genussscheine stehen am Mittwochmorgen unter Abgabedruck. Der Pharmakonzern hat mit seinem Hoffnungsträger Tecentriq in der Behandlung von Blasenkrebs einen Rückschlag erlitten. Eine zulassungsrelevante Studie (IMvigor211) brachte nicht die erhofften Ergebnisse. Konkret konnte bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs der Form mUC mit Tecentriq kein besserer Krankheitsverlauf nachgewiesen werden im Vergleich mit einer Chemotherapie. Bei Investoren und Analysten kommt dies nicht gut an, gleichwohl wird die Sache auch nicht in allzu finsterem Licht gesehen.
10.05.2017 09:54

Die Roche-Bons büssen gegen 9.45 Uhr bei überdurchschnittlichem Volumen 1,7% auf 268,00 CHF ein und sind damit die grössten Verlierer unter den Blue Chips. Der Leitindex SMI steht derweil 0,58% tiefer.

Enttäuscht zeigt man sich beispielsweise bei der Zürcher Kantonalbank. Laut Analyst Michael Nawrath seien die Studienergebnisse insbesondere deshalb unbefriedigend, weil die US-Gesundheitsbehörde dem Basler Unternehmen basierend auf einer Vorgängerstudie (IMvigor 210) bereits die Zusage für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesichert habe.

Trotz des verpassten Studienziels liest Vincent Meunier von Morgan Stanley aber auch ermutigende Daten heraus. So habe das Sicherheitsprofil von Tecentriq im Einklang mit dem gestanden, was bereits veröffentlicht worden sei. Zudem seien keine neuen Sicherheitssignale gesehen worden und die Sicherheit sei im Vergleich mit Chemotherapie vorteilhafter. Unter kommerziellen Gesichtspunkten jedenfalls seien die Neuigkeiten für ihn nicht sehr bedeutsam.

Ähnlich sieht man das bei Baader Helvea. Die negativen Studienergebnisse würden das kommerzielle Potenzial des Medikaments nicht allzu stark eintrüben, so Pharmaanalyst Bruno Bulic. Davon betroffen sei ein geschätztes Umsatzpotenzial von 0,5 Mrd CHF. Wichtiger ist seines Erachtens die erwiesene Wirksamkeit von Tecentriq zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs. Der Experte hält an seinen konservativen Schätzungen eines Spitzenumsatzes mit Tecentriq von 3 Mrd CHF fest.

Händlern zufolge lagen die Genussscheine von Roche in den letzten Wochen überdurchschnittlich gut im Markt. Nach mehreren ermutigenden Produktneuigkeiten und überraschend soliden Quartalsumsatzzahlen sei insbesondere aus dem angelsächsischen Raum gutes Kaufinteresse auszumachen gewesen, so Beobachter.

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(AWP)