Roche setzt auf Geheiss der FDA zwei frühe Tecentriq-Studien teilweise aus

(Meldung vom Freitag ausgebaut und ergänzt) - Der Pharmakonzern Roche setzt auf Geheiss der US-Gesundheitsbehörde FDA zwei Studien mit dem Immun-Therapeutikum Tecentriq teilweise aus. Es handle sich um eine Phase Ib und eine Phase Ib/II Studie, wie Roche bereits am Freitagabend mitteilte. Damit setzen sich bei dem Pharmakonzern die eher negativen Nachrichten weiter fort.
18.09.2017 09:53

Wie in der Mitteilung weiter steht, blieben Roche respektive die Tochter Genentech der Patientensicherheit verpflichtet. Sie arbeiten auch weiterhin eng mit der FDA zusammenarbeiten.

Die Versuche seien noch in einer frühen Phase, bisher habe Roche allerdings keine Hinweise auf vermehrte Todesfälle oder schwerwiegende Vorfälle festgestellt. Die FDA evaluiere alle laufenden Versuche zu Blutkrebs mit einer anti-PD1/PDL1-Arznei im Kombination mit einer immun-modulatorischen Medizin (IMiDs), heisst es weiter.

Die beiden betroffenen Studien umfassten Versuchsreihen zu Tecentriq in Kombination mit einer immun-modulatorischen Medizin bei renitenten und wiederkehrenden Formen von multiplem Myelom (MM) und follikulärem Myelom (ein Non-Hodgkin-Lymphom). Während der teilweisen Aussetzung könnten die bereits rekrutierten Patienten weiter behandelt werden, es würden aber keine weiteren Patienten aufgenommen.

FDA-ENTSCHEID ALS REAKTION AUF KONKURRENTEN

Wie Analyst Michael Nawrath in einem ersten Kommentar ausführt, liegen die Gründe für diese Entscheidung der US-Behörde beim Konkurrenten Merck. Bei diesem sei es in gleich konstruierten Kombinationsstudien zwischen dessen mit dessen PD-1-Antikörper Keytruda und IMiDs zu Todesfällen gekommen, schreibt Nawrath.

"Es gilt nun zu evaluieren, ob nur bei bestimmten Krebsarten des Blutes wie das MM oder auch das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ein Klassendefekt durch PD-1- oder PD-L1-Antikörper, egal von welchem Hersteller, in der einen Kombination mit den IMiDs vorliegt oder ob ein spezifisches Problem mit dem einen Antikörper von Merck in solchen IMiD-Kombinationen die Ursache ist", schreibt Nawrath.

In seinem Fazit betont der Experte, dass Mercks Antikörper Keytruda in der klinischen Entwicklung rund zwei Jahre voraus sei und bereits gegen sechs verschiedene Krebsarten zugelassen sei. Damit sei das Sicherheitsprofil von Keytruda bereits an weitaus mehr Patienten bestätigt worden. Es liege daher die Annahme nahe, dass diese Kombination mit IMiDs schlicht zu toxisch sein könnte, was hiesse, dass auch Roche diesen Ansatz fallen lassen müsste. Grundsätzlich erachte er diese Nachrichten als kursneutral.

An der Börse gehören die Genussscheine von Roche gegen 9.30 Uhr mit einem unveränderten Kurs zu den schwächeren Werten. Der SMI zieht zeitgleich um 0,37% an.

hr/ra

(AWP)