Roche sieht eigene Stärke weiter in Onkologie - Fokus auf Kombinationen

(Zusammenfassung; wiederholt mit Schlusskurs)
20.10.2016 17:42

Basel (awp) - Der Pharmakonzern Roche zeigt mit seinen Umsatzzahlen für die ersten neun Monate 2016 sehr deutlich, dass es manchmal nicht auf die Zahlen allein ankommt. Vielmehr ist es gerade bei Pharmaunternehmen wichtig, wie sie sich mit ihren Pipelines für die Zukunft positionieren. Und da hat das Management des Konzerns eine klare Nachricht ausgesendet: Diese wird weiter auf die Onkologie und verstärkt auf die Immun-Onkologie ausgerichtet sein. Die Börse zeigte sich wenig beeindruckt.

Sowohl CEO Severin Schwan als auch der Pharma-Chef Daniel O'Day haben zwei Statistiken, die sie gerne als Zeichen der Innovationskraft von Roche zu Feld führen: Da wäre einmal die Zahl der Markteinführungen. Auf zwölf Monate gesehen und davon ausgehend, dass das MS-Mittel Ocrevus im Dezember grünes Licht erhält, hat Roche fünf neue Mittel auf den Markt gebracht - ein Rekord in der bisherigen Unternehmensgeschichte.

PHARMA-CHEF: KOMBINATIONEN GEHÖRT DIE ZUKUNFT

Als zweiten Beweis für die Innovationskraft verweist O'Day auf das Portfolio an laufenden klinischen Studien. Alleine in der Onkologie führe Roche derzeit mehr als 50 klinische Studienreihen, wovon 40 im Bereich Immun-Onkologie sind.

In diesem nach wie vor sehr jungen Markt sieht Roche die Zukunft vor allem in Kombinations-Therapien. In den kommenden 12 Monaten werde die Gesellschaft auf diesem Gebiet zahlreiche Ergebnisse bekannt geben, kündigt der Pharma-Chef an. "In einem Jahr werden wir deutlich bessere Erkenntnisse haben als heute", zeigt er sich überzeugt. Dabei setze Roche sowohl auf die eigenen Analysen als auch auf die der Konkurrenz.

NEUE BLOCKBUSTER GESUCHT

Denn dass Roche neue Mittel lancieren muss und dabei nach Möglichkeit Blockbuster, zeigen die Zahlen für die ersten neun Monate. Zwar ist der Gruppenumsatz um 6% auf 37,51 Mrd CHF gestiegen - zu konstanten Wechselkursen (kWk) resultierte ein Wachstum von 4%. Allerdings wies gerade der Blockbuster Avastin in den USA eine Umsatzdelle auf. Und auch der Umsatz von MabThera/Rituxan, das gegen häufige Formen von Blutkrebs, rheumatoide Arthritis und bestimmte Arten von Gefässentzündungen eingesetzt wird, hat sich nicht so stark wie erwartet entwickelt.

Entsprechend hinkt die Pharmasparte mit Erlösen in Höhe von 29,14 Mrd CHF den durchschnittlichen Analystenerwartungen leicht hinterher. Dass der Konzern auf Gruppenebene dennoch den eigenen Ziele entspricht, liegt vor allem am Umsatzplus von 7% (+7% kWk) auf knapp 8,4 Mrd CHF in der Diagnostics-Sparte.

Mit Blick auf Avastin geben sich die Manager aber vergleichsweise entspannt. Dass die Wachstumsraten von Avastin in den USA so niedrig sind, liege daran, dass das Mittel, das zur Bekämpfung von fortgeschrittenem Darm-, Brust-, Lungen-, Nieren-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs sowie wiederkehrendem Glioblastom (einer Form von Hirntumor) eingesetzt wird, bereits über einen grossen Marktanteil in den USA verfüge. Es habe damit eine gewisse Marktreife erreicht. Die Umsatzentwicklung dürfte daher in Zukunft eher stabil verlaufen.

HOFFNUNGSTRÄGER TECENTRIQ

Ausserdem habe Roche zuletzt zahlreiche neue Mittel auf den Markt gebracht, deren Umsätze mit der Zeit klar zulegen sollten - allen voran das Immun-Therapeutikum Tecentriq. Bereits im Mai war es in den USA gegen Blasenkrebs zugelassen worden. Im dritten Quartal zogen die Umsätze mit dem Mittel auf 58 Mio CHF an und übertrafen damit die durchschnittlichen Analystenerwartungen um 58%.

In der zweiten Indikation, gegen eine bestimmte Form von Lungenkrebs hat Tecentriq als Zweitlinien-Therapie erst am Dienstagabend von der US-Zulassungsbehörde FDA grünes Licht erhalten. Das Mittel kann somit sofort lanciert werden.

Dem Einwand, dass Roche in dieser Indikation und als Zweitlinien-Therapie auf einen bereits hart umkämpften Markt eintritt, begegnen CEO Schwan und sein Pharma-Chef mit den bisherigen Daten, die sie zu Tecentriq haben. Roches Mittel werde in einem sehr breiten Label zugelassen und stünde aufgrund seiner Wirksamkeit einer breiten Patientengruppe zur Verfügung. Denn das Mittel war unabhängig von der PD-L1-Expression wirksam.

VERHALTENE MARKT-REAKTION

An der Börse sorgten die Zahlen und Aussagen derweil für kaum Bewegung. Die Genussscheine von Roche tendierten im Tagesverlauf grösstenteils leicht tiefer und schlossen am Ende 0,6% im Minus bei 232,50 CHF.

hr/ys

(AWP)