Roche überrascht doppelt - mit guten Zahlen und höherem Ausblick

(Zusammenfassung) - Roche hat einen zweifachen Treffer gelandet. Der Pharmakonzern hat Halbjahreszahlen vorgelegt, die überwiegend über den Analystenschätzungen lagen und als Folge auch noch den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben. Die starke Entwicklung im ersten Halbjahr verdankt der Konzern zur Hälfte seinen noch recht neu eingeführten Mitteln - ein wichtiger Punkt für die Zukunft.
27.07.2017 12:30

Mit Blick auf die weitere Geschäftsentwicklung in diesem Jahr rechnet der Pharmakonzern neu zu konstanten Wechselkursen mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und bleibt dabei, dass der Gewinn in etwa gleichen Tempo wachsen soll. Zuvor hatte das Management ein Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt.

Für die ersten sechs Monate beträgt der Umsatz laut Mitteilung vom Donnerstag 26,3 Mrd CHF, ein Plus von 5%. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) resultierte ein Wachstum von ebenfalls 5%. Den Löwenanteil steuert erneut die Pharmasparte bei mit 20,5 Mrd CHF (+5%/+5% kWk). Für den Bereich Diagnostics stehen Erlöse von 5,8 Mrd CHF zu Buche, ebenfalls 5% mehr (5% kWk) als im Vorjahreszeitraum.

Auf Gewinnebene erzielte Roche in den ersten sechs Monaten einen betrieblichen Kerngewinn von 10,1 Mrd CHF aus (+3%/+3% kWk). Der Gewinn nach IFRS wiederum nahm um 2% zu auf knapp 5,6 Mrd.

NEU EINGEFÜHRTE MITTEL SICHERN KÜNFTIGE UMSÄTZE

Wie Roche-CEO-Severin Schwan vor Journalisten betonte, haben die zum Teil erst kürzlich eingeführten Mittel Tecentriq und Ocrevus massgeblich zum Umsatzwachstum beigetragen. Sie gelten für den Manager neben Perjeta zudem zu den Haupthoffnungsträgern.

Aber auch Alecensa gehört zu den Mitteln, die erst vor kurzem auf den Markt gekommen sind und in den Halbjahreszahlen bereits zur Geltung kamen. "Die kürzlich in den Märkten eingeführten Medikamente Tecentriq, Ocrevus und Alecensa haben mit 0,5 Mrd CHF zusätzlichem Umsatz die Hälfte des divisionalen Wachstums generiert", freute sich Schwan.

SCHWAN BETONT DEN MEHRWERT VON PERJETA

Daneben betonte der Manager auch die gestiegenen Verkäufe des Krebsmittels Perjeta. Das Mittel steht vor allem wegen der enttäuscht aufgenommenen Aphinity-Studie im Fokus. Wie Schwan hervorhob, schafft das Mittel in der Kombination mit Herceptin und Chemotherapie für die betroffenen Brustkrebs-Patienten einen wichtigen Mehrwert, da eine grosse Mehrheit eine Chance auf Heilung hat. Und ein solcher Mehrwert komme zu einem bestimmten Preis.

Für das vergleichsweise neue Immuntherapeutikum Tecentriq weist Roche einen Umsatz von 237 Mio in den ersten sechs Monaten aus. Das erst kürzlich lancierte MS-Mittel Ocrevus hat laut Mitteilung Umsätze in Höhe von 192 Mio CHF erzielt. Es ist seit März in den USA zugelassen und seit April erhältlich. Zum Vergleich: Analysten rechnen bei dem MS-Mittel im Schnitt mit einem Jahresumsatz von gut 350 Mio CHF.

"Ich gehe davon aus, dass diese Schätzungen nach dem heutigen Tag nach oben angepasst werden", kündigte Schwan nicht ohne Stolz an. Wie der Pharma-Chef, Daniel O'Day, unterdessen betonte, "waren wir nicht nur von der grundsätzlichen Entwicklung von Ocrevus bisher überrascht, vielmehr sind auch die Reaktionen von Patienten und Ärzten sehr ermutigend beim Blick nach vorne."

BIOSIMILARS VERSTÄRKT AB 2018 SPÜRBAR

Beim Blick nach vorne machte Schwan noch deutlich, dass der Druck durch Biosimilars in diesem Jahr noch überschaubar sein dürfte. Erst gegen Ende der zweiten Jahreshälfte ist dann auch mit dem Eintritt von Nachahmerprodukten für Herceptin zu rechnen. Entsprechend geht der CEO davon aus, dass sich der Druck ab dem kommenden Jahr stärker bemerkbar machen werde. "Unsere Strategie ist es, mit Innovationen dagegenzuhalten."

Dem pflichtete auch der Pharma-Chef O'Day bei. Alleine mit dem wichtigen Immun-Therapeutikum Tecentriq werde Roche innerhalb der nächsten 12 Monate Daten aus acht verschiedenen Kombinationstherapien vorlegen - überwiegend in der Indikation Lungenkrebs, dem wohl grössten Markt in der Onkologie.

An der Börse kommen die Zahlen von Roche gut an. Die Genussscheine gewinnen zur Mittagszeit 1,0% hinzu. Der Leitindex SMI weist zeitgleich ein Plus von 0,31% auf.

hr/cp

(AWP)