Rückzug aus Afrika reisst Loch bei Barclays

(Ausführliche Fassung) - Die britische Grossbank Barclays ist im zweiten Quartal wegen des Ausstiegs aus dem Afrika-Geschäft tief in die roten Zahlen gerutscht. Zudem belastete wieder einmal der alte Skandal um den Verkauf unnützer Kreditausfallversicherungen auf dem Heimatmarkt das Ergebnis. Dennoch frohlockte Bankchef James Staley am Freitag - er sieht die Bank am Wendepunkt.
28.07.2017 10:40

Staley nahm den Quartalsverlust von unter dem Strich 1,4 Milliarden Pfund in Kauf, um seine Vision von Barclays zu verwirklichen: Er konzentriert sich auf die Kernmärkte Grossbritannien und USA und will dabei im Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft mit den grossen Wall-Street-Häusern konkurrieren. Dazu zog sich der Finanzkonzern aus anderen Märkten zurück oder dampfte Geschäfte zumindest ein. Tausende Stellen fielen weg.

"Unser Geschäft ist nun radikal vereinfacht, der Umbau ist abgeschlossen", sagte Staley am Freitag in London. Die hauseigene Abbaubank für risikoreiche Investments erklärte er für geschlossen. Nun gehe es darum, das Ergebnis für die Anteilseigner zu verbessern.

Einer der Kernpunkte in Staleys Strategie war die mehrheitliche Trennung von der Afrika-Tochter, um diese nicht weiter konsolidieren zu müssen. Das erlaubt es Staley, das für die Risikoabsicherung notwendige Kapital nun an anderer Stelle einzusetzen. Auch von der Ägypten-Tochter hatte sich Staley getrennt.

Der Verkauf von weiteren Anteilen an der börsennotierten Barclays Africa Group belastete das Quartalsergebnis allerdings mit 1,6 Milliarden Pfund. Barclays begründete dies in erster Linie mit der Umwandlung von Währungsreserven in der Bilanz - der südafrikanische Rand habe sich seit der erstmaligen Konsolidierung der Afrika-Tochter im Jahr 2005 abgeschwächt.

Für Barclays ist der Rückzug aus Afrika eine symbolträchtige Kehrtwende. Das Institut hatte sein Geschäft auf dem Kontinent seit fast einem Jahrhundert aufgebaut und galt in Afrika als eine der führenden westlichen Banken. Wegen verschärfter staatlicher Vorschriften und dem Druck von Investoren sah sich der Finanzkonzern allerdings zum Rückzug gezwungen. An der Barclays Africa Group mit Sitz in Südafrika hielten die Briten einst 62 Prozent. Zuletzt lag der Anteil bei 15 Prozent.

Eine andere Baustelle liegt in der Heimat von Barclays: Für den Verkauf von unnützen Kreditausfallversicherungen musste die Bank 700 Millionen Pfund zurücklegen. Der unter der Abkürzung PPI (Payment Protection Insurance) bekannte Skandal beschäftigt die britischen Banken schon seit langem. Erst am Vortag hatte der Rivale Lloyds wegen Schadenersatzzahlungen einen Gewinnrückgang vermeldet.

Wenn man diese ausserordentlichen Lasten ausklammert, lief es für die Bank indes vergleichsweise gut: Bereinigt um Sonderposten verdiente Barclays vor Steuern 1,4 Milliarden Pfund und damit etwas mehr als von Experten erwartet. Die Kernkapitalquote verbesserte sich Ende Juni auf 13,1 Prozent, unter Einbeziehung des jüngst praktisch abgeschlossenen Rückzugs aus Afrika sogar auf 13,4 Prozent. Nachdem die Aktie im frühen Handel noch im Minus gelegen hatte, drehte sie zuletzt moderat ins Plus./das/zb/men/stb

(AWP)