RWE angeblich an deutschen Uniper-Kraftwerken interessiert

(Ausführliche Fassung) - Der Energiekonzern RWE könnte womöglich zum Profiteur einer Übernahme des Konkurrenten Uniper durch die finnische Fortum werden. Sollte Uniper bei einem Kauf durch Fortum zerschlagen werden, könnte RWE das deutsche Kraftwerksgeschäft der Düsseldorfer übernehmen, schreibt das "Handelsblatt" (HB/Freitagausgabe) unter Berufung auf Kreise des Energiekonzerns.
20.10.2017 13:19

Die Aktien von RWE legten am Mittag um 0,3 Prozent zu. Die Papiere gehören zu den grossen Gewinnern in diesem Jahr im DAX - sie sind mit einem Jahresplus von über 81 Prozent bislang zweitbester Wert in dem Index. Uniper-Papiere geben am Freitag hingegen um knapp 0,6 Prozent nach. Das Papier war in der Vergangenheit hauptsächlich von den Übernahmespekulationen getrieben worden und hatte erst am Dienstag ein Rekordhoch erreicht. Alleine in diesem Jahr verteuerte sich das Papier um 84 Prozent und ist damit der mit Abstand stärkste Titel im MDax.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatte in der Vergangenheit schon häufiger Interesse an Uniper geäussert. Allerdings hat der Manager zuletzt auch klargemacht, dass er kein Kernkraftgeschäft übernehmen wolle. Und Uniper ist an Atomkraftwerken in Schweden beteiligt. Der deutsche Kraftwerkspark mit Kohle und Gas würde jedoch gut zu RWE passen. RWE hat sich wie zuletzt Uniper als Garant für die Versorgungssicherheit in Deutschland positioniert. Denn die konventionellen Kraftwerke sollen dann für sicheren Strom sorgen, wenn die erneuerbaren Energien wie Wind und Solar wegen ungünstigen Wetters keinen oder zu wenig Strom liefern.

Für Fortum wiederum dürfte vor allem das Auslandsgeschäft in Russland und Schweden interessant sein. Das Unternehmen setzt vor allem auf emissionsarme Stromproduktion wie Wasser und Kernkraft. Kohlekraftwerke mit ihrem hohen CO2-Ausstoss oder Gaskraftwerke, wie sie Uniper in Deutschland betreibt, gehören nicht zum Geschäft der Finnen.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wollte sich nicht direkt zu Uniper äussern. Er hatte aber zuletzt regelmässig betont, dass sein Unternehmen an der Übernahme von Gas- und Kohlekraftwerken interessiert ist. "Wir haben die Märkte, in denen wir aktiv sind, im Blick - und sind für Zukäufe zum Beispiel von bestehenden Assets offen", bekräftigte er jetzt laut der Zeitung. "Wenn sich Gelegenheiten ergeben, werden wir die nutzen."

Fortum weist Pläne für eine Zerschlagung hingegen von sich. "Wir sprechen mit niemandem über den Verkauf von Teilen von Uniper", sagte Konzernchef Pekka Lundmark dem "Handelsblatt". Fortum wolle ein "konstruktiver Partner" und "langfristiger Investor" sein. Uniper hingegen sperrt sich - und fühlt sich offenbar durch Grossaktionär Eon getäuscht. Uniper-Chef Klaus Schäfer wertet den Vorstoss der Finnen als feindliche Übernahme und hätte eine sukzessive Aktienplatzierung durch Eon lieber gesehen.

Auch der Uniper-Betriebsratschef Harald Seegatz warnte im "Handelsblatt" vor einem Verlust der Eigenständigkeit, der zu einem Verlust "tausender Arbeitsplätze" führen würde. "Das gilt auch, wenn sich am Ende direkte Konkurrenten die Rosinen rauspicken."

Fortum will für Uniper 22 Euro pro Aktie zahlen. Eon plant Anfang 2018, seinen Uniper-Anteil von knapp 47 Prozent den Finnen anzudienen. Der deutsche Energiekonzern kann das Aktienpaket aus steuerrechtlichen Gründen erst im kommenden Jahr verkaufen.

Uniper beschäftigt 13 000 Mitarbeiter und ist mit einer Erzeugungskapazität von rund 40 Gigawatt einer der führenden Stromproduzenten Europas. Der Kraftwerkspark von Uniper bildete lange das Rückgrat von Eon, bis das Unternehmen im September 2016 unter dem Druck der Energiewende sein Geschäft mit konventionellen Grosskraftwerken und dem Energiehandel abspaltete. Eon hatte damals bereits deutlich gemacht, sich mittelfristig auch von den restlichen Aktien trennen zu wollen. Das Unternehmen, das jetzt auf erneuerbare Energien setzt, drücken Schulden in Milliardenhöhe. Zudem muss Eon seine restlichen Atomkraftwerke in Deutschland abwickeln, die bei der Abspaltung Unipers auf Druck der Politik bei Eon verblieben.

RWE ist hingegen im Zuge der Energiewende in Deutschland einen anderen Weg gegangen als Eon. Das Unternehmen spaltete sein Geschäft mit erneuerbaren Energien ab und brachte es unter dem Namen Innogy an die Börse. Die Aktien der vier Unternehmen gewannen seitdem erheblich an Wert. Dabei profitierten sie von anhaltenden Spekulationen über eine Konsolidierung im europäischen Energiesektor. Neben Uniper steht auch immer wieder Innogy im Zentrum der Begierde. Allerdings will RWE an der Mehrheit festhalten, da der Konzern von den kontinuierlichen Mittelzuflüssen der Tochter abhängig ist. /nas/zb/jha/

(AWP)