RWE mit Milliardenverlust wegen niedriger Strompreise und Atomkompromiss

Die niedrigen Strompreise im Grosshandel und der Atomkompromiss reissen beim Energiekonzern RWE ein dickes Loch in die Bilanz. Unterm Strich muss das deutsche Unternehmen einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro für das vergangene Jahr verdauen, wie RWE am Mittwoch mitteilte. Bereits im Jahr 2015 hatte das Unternehmen ein Minus von 170 Millionen Euro eingefahren. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss fiel mit rund 800 Millionen Euro indes besser aus als von RWE zuvor veranschlagt. Zudem sanken die Nettoschulden um 2,8 Milliarden Euro auf 22,7 Milliarden Euro.
22.02.2017 08:47

Beim Jahresgewinn schlugen insbesondere Abschreibungen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro auf den deutschen Kraftwerkspark sowie Anlagen in Grossbritannien, den Niederlanden und der Türkei ins Kontor. Hintergrund sind geänderte Erwartungen für die künftige Entwicklung der Grosshandelspreise für Strom. Zweite grosse Baustelle ist der Atomkompromiss: RWE zahlt zum 1. Juli 2017 die vereinbarten 6,8 Milliarden Euro in den neuen staatlichen Atomfonds, was in den Konzernabschluss durch eine Erhöhung der Kernenergierückstellungen einfliesst.

Die RWE-Aktionäre müssen sich für 2016 erneut auf eine Nullrunde bei der Dividende einstellen. Auf der Hauptversammlung am 27. April will der Vorstand eine Aussetzung der Dividende je Stammaktie vorschlagen, für jede Vorzugsaktie sollen 13 Cent gezahlt werden, wie der Konzern am Mittwoch in Essen mitteilte. Für das laufende Jahr stellt der Konzern wieder eine Ausschüttung von 50 Cent je Stamm- und Vorzugsaktie in Aussicht.

Bereits für 2015 hatte RWE mit Verweis auf die angespannte finanzielle Lage die Dividende je Stammaktie gestrichen und damit vor allen Dingen den Zorn der kommunalen Anteilseigner in Nordrhein-Westfalen auf sich gezogen. Sie drängten den Energieriesen noch zuletzt zu einer Wiederaufnahme der Dividendenzahlung.

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(AWP)