RWE von schwachem Handelsgeschäft gebremst - Kraftwerke stabilisiert

(Ausführliche Fassung)
11.08.2016 08:34

ESSEN (awp international) - Ein Einbruch im Energie-Handelsgeschäft hat RWE das Halbjahresergebnis verdorben. Das betriebliche Ergebnis sackte um gut sieben Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro ab, wie der Konzern am Donnerstag in Essen mitteilte. Das war schwächer als erwartet. Als Hauptgrund gab RWE ein enttäuschendes Handelsgeschäft an, das nach einem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal überraschend tief in die roten Zahlen rutschte. Analysten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Dagegen konnte der Konzern die Talfahrt seiner Grosskraftwerke vorerst stoppen. Dazu trugen neben Sondereffekten aus dem Verkauf von Grundstücken in Grossbritannien auch Sparanstrengungen bei. Zudem sanken die Abschreibungen in der Sparte. Der Druck bleibt allerdings hoch. Der vom Ökostromboom ausgelöste Verfall der Preise im Grosshandel frisst sich immer weiter in die Ergebnisse, Grund sind die langfristigen Lieferverträge. So kassiert der Konzern für Strom in diesem Jahr etwa noch 35 Euro je Megawattstunde, die vereinbarten Kontrakte für 2018 liegen hingegen unter 30 Euro.

VORSICHTIGE PROGNOSE

Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn - eine wichtige Kennziffer in der Branche - stieg im ersten Halbjahr um 10 Prozent auf 598 Millionen Euro. Das lag an einer sehr niedrigen Steuerquote, die der Konzern Sondereffekten aus dem aktuellen Umbau zu verdanken hat. Unter dem Strich verdiente RWE 457 Millionen Euro, das sind fast drei Viertel weniger. Vor einem Jahr hatte der Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea für einen milliardenschweren Sondergewinn gesorgt.

Für die zweite Jahreshälfte bleibt das Management vorsichtig: So dürfte das betriebliche Ergebnis im Gesamtjahr weiter von 3,8 Milliarden Euro 2015 auf 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro sinken. Der bereinigte Überschuss soll von 1,13 Milliarden auf 500 bis 700 Millionen Euro zurückgehen. Dabei musste der Vorstand allerdings seine Erwartungen an das Handelsgeschäft nach unten korrigieren.

FORTSCHRITTE IN GROSSBRITANNIEN

Dagegen ist das Management zuversichtlich, die hausgemachten Probleme im britischen Vertriebsgeschäft schneller als geplant in den Griff zu bekommen. Die Wettbewerbsposition dort habe sich wieder stabilisiert, erklärte Vorstandschef Peter Terium. Im vergangenen Jahr hatten Kunden scharenweise ihre Verträge bei RWE gekündigt, nachdem es infolge einer Softwareumstellung zu erheblichen Pannen bei den Abrechnungen gekommen war.

Anleger sind zuletzt wieder deutlich optimistischer geworden, dass RWE seine Probleme in den Griff bekommt. Seit Jahresbeginn haben die Aktien des Konzerns knapp 30 Prozent zugelegt und sind damit zweitbester Wert im Dax. Die Hoffnungen liegen vor allem auf der bevorstehenden Aufspaltung des Konzerns. Das Geschäft rund um Ökostrom, Netze und Vertrieb bündelt RWE in der neuen Tochter Innogy, die nach aktuellen Plänen noch in diesem Jahr an die Börse gehen soll. Befreit vom schwer angeschlagenen Grosskraftwerksgeschäft verspricht sich das Management durch den Schritt neue finanzielle Spielräume für Investitionen in Zukunftsgeschäfte.

Bei Innogy werden künftig rund 40 000 der derzeit noch knapp 60 000 RWE-Beschäftigten arbeiten. Im Mutterkonzern, der auch langfristig die Mehrheit an Innogy halten und von deren Dividende profitieren soll, bleiben von den operativen Bereichen nur das zuletzt immer weniger profitable Geschäft mit den alten Grosskraftwerken und der Energiehandel./enl/men/stb

(AWP)