Ryanair hält trotz Flugplan-Desaster an Gewinnziel fest - Aktie hebt ab

(Ausführliche Fassung) - Europas grösster Billigflieger Ryanair will trotz zigtausender Flugstreichungen wegen fehlender Piloten nicht an seiner Gewinnprognose rütteln. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2018 erwartet Airline-Chef Michael O'Leary weiterhin einen Überschuss von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro, wie er bei der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag in Dublin klarstellte. Während Rückerstattungen und Entschädigungen für von den Flugstreichungen betroffene Passagiere das Ergebnis belasten, erwartet Ryanair, dass die Ticketpreise im Winter nicht ganz so stark fallen wie zuletzt gedacht.
31.10.2017 11:20

An der Börse wurden die Nachrichten mit Erleichterung aufgenommen. Die Ryanair-Aktie gewann am Morgen in London 5,38 Prozent an Wert auf 16,66 Euro. Seit Jahresbeginn liegt ihr Kurs damit rund 14 Prozent im Plus, nachdem die Anleger die Aktie infolge des Flugplan-Desasters seit September abgestraft und ihren vorigen Höhenflug vorerst beendet hatten. Zum Vergleich: Der Kurs der Lufthansa hat in diesem Jahr um über 120 Prozent zugelegt. Insgesamt ist Ryanair an der Börse mit 19,7 Milliarden Euro aber immer noch gut anderthalb mal so viel wert wie der Kranich-Konzern.

Im wichtigen Sommerquartal bis Ende September, das bei Ryanair das zweite Geschäftsquartal ist, musste der Billigflieger nun etwas zurückstecken. Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zulegte, ging der Überschuss im Einklang mit dem operativen Ergebnis um zwei Prozent zurück und erreichte noch 895 Millionen Euro.

Für das Winterhalbjahr bis Ende März erwartet O'Leary, dass die Flugtickets im Schnitt um 4 bis 6 Prozent billiger werden als ein Jahr zuvor. Bisher war er von einem stärkeren Rückgang um 5 bis 7 Prozent ausgegangen. Dies sollte der Airline helfen, ihr zuvor gesetztes Gewinnziel trotz der Probleme bei der Personalplanung zu erreichen.

Die irische Rivalin von Easyjet und Lufthansa hat seit September und bis ins nächste Frühjahr rund 20 000 Flüge gestrichen. Als Grund gab das Management Fehler beim Erstellen der Dienstpläne an. Urlaubszeiten der Piloten seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Etwa 700 000 Passagiere sind von den Streichungen betroffen. Die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA (Civil Aviation Authority) hatte der Fluggesellschaft zwischenzeitlich "permanente Irreführung" vorgeworfen. Ryanair habe Passagiere bei der massenhaften Streichung von Flügen nicht ausreichend über ihre Rechte informiert.

Einen Piloten-Mangel stritt Ryanair am Dienstag ab. Die Airline habe mehr als 4200 Piloten; allein in diesem Jahr seien bislang über 900 angestellt worden. Vertreter der Fluggesellschaft zeigten sich sehr zuversichtlich, genug Personal für den Flugplan im kommenden Sommer zu haben. Piloten seien höhere Gehälter und bessere Aufstiegschancen zugesagt worden. O'Leary warf Gewerkschaften Desinformation vor.

Der Billigflieger steht unter Druck, ausreichend Piloten für seine ehrgeizigen Wachstumsziele zu rekrutieren. Es gibt Streit um Gehälter und Arbeitsbedingungen. Erik Fengler flog von 2011 bis 2013 bei Ryanair und wirft der Airline "Rosinenpickerei" vor. "Ich musste eine Firma gründen, um dort arbeiten zu können", sagte der Pilot der Deutschen Presse-Agentur. Das sei unfairer Wettbewerb gegenüber anderen Fluglinien, die ihr Personal besser stellten.

Die deutsche Gewerkschaft Ufo hatte das Unternehmen vor einer Woche zu Tarifverhandlungen für die 700 bis 1000 in Deutschland stationierten Flugbegleiter aufgefordert. Die Ryanair-Bedingungen seien in Deutschland "schlicht illegal", hiess es. Die Gewerkschaft wirft Ryanair vor, Flugbegleiter in Deutschland nach irischem Recht zu beschäftigen. Das ermögliche kurze Kündigungsfristen, weniger Urlaubstage und die dauerhafte Anstellung in Leiharbeit. Der Billigflieger verschaffe sich durch Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile. Ryanair lehnt bislang Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften ab.

Ryanair hat das Flugangebot in Europa ausgebaut und bietet fast 3000 Verbindungen an. Der scharfe Wettbewerb lässt die Ticketpreise der Billig-Airlines purzeln. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt fiel der Durchschnittspreis für Europaflüge im Sommerflugplan 2017 auf einen historischen Tiefstand zwischen 35 und 97 Euro. Ryanair kam, nach der ungarischen Wizz, mit 45 Euro auf den zweiten Platz. Am teuersten war demnach die Lufthansa-Billigmarke Eurowings, die den Grossteil der insolventen Air Berlin übernehmen soll./stw/si/tos

(AWP)